120 Schlußfolgerungen für die Organisation des Geld- und Kapitalmarkts, ;
wirkt die stärkere Benutzung der Schatzanweisungsform, nur ist es nicht sinnvoll,
daß z.B. bei dem „Experiment“ der Stadt Frankfurt, langfristigen Kapitalbedarf durch
dreijährige Zwischenanleihen zu decken, nun die Schatzanweisungen mit einer
Option für die Geldgeber zu versehen, wonach diese später Umwandlung in eine
7% ige gewöhnliche Anleihe und noch eine Umtauschprämie dazu verlangen
können, Ebenso kann das Einschieben von Zwischenhänden günstig wirken, man
denke etwa an die 25 Mill. Dollar-Anleihe der Deutschen Bank, wenn die Zwischen-
band das Geld kurzfristig und zu variablem Zins hereinnimmt und langfristig
und ebenfalls mit variablem Zins weiterleitet. Natürlich — es bedarf eines solchen
Einwandes gar nicht — riskiert man seine Haut dabei, und natürlich ist das ein
an sich simpler Gedanke, aber er entspricht der gegenwärtigen Lage; man bedarf
auch dieses Zwischendienstes, und erst durch die Risiko-Übernahme verdienen die
Zwischenhände, einen „Verdienst‘“ zu erzielen.
Im übrigen setzt hier die Aufgabe der Presse ein. An ihr ist es,
die allgemeine Zinspsychose zu bekämpfen, sich dagegen zu wenden, daß man
die nur auf Fehlorganisation beruhende Zinskalamität als eine Fügung der Vor-
sehung tatenlos hinnimmt; an ihr ist es, für variable Zinskontrahierung einzu-
treten, die Kapitalnachfrage immer von. neuem zu Dickfelligkeit, zum „Käufer-
streik‘“ aufzureizen, die Zwischenhände „gelenkig“ zu machen, Denn neben der
kulturellen Störung steht als nicht fiktive Folge sondern als effektive Wirkung
der Reparationszahlungen die Störung des Kreislaufs unserer Wirtschaft durch die
Zins-Desorganisation. derart, daß 1. der Kreislauf der Wirtschaft und seine Teile
wegen der verschiedenen Stärke der Zinskostenintensität der einzelnen Branchen
nicht harmonisch assortiert werden und damit nicht genügend fruchtbar sind, und
daß 2, die „freie Bahn dem Tüchtigen‘, der bei normalem Zins als fruchtbarer
Unternehmer wirken könnte, durch das Drahtverhau exotischer Zinsen zu unserer
aller Schaden versperrt ist, Fürwahr, eine Aufgabe des Schweißes der Edlen von
der Feder wert!
Und nun das letzte Mittel, das ich einstweilen vorzuschlagen vermag, die
Verbesserung und Erleichterung des börsenmäßigen Effekten-
handels zwischen uns und der Welt. Erstens kommt in Frage, daß
ansere Wertpapiere in allerweitestem Umfange, wie es ganz selbstverständlich dem
Wesen der Sachlage deutscher Weltverschuldung entspricht, Eingang und
gleichberechtigte Behandlung auf den Börsen der Welt finden.
Der internationale Effekten-Arbitragehandel in deutschen Werten wird und muß sich
zu ungeahnter Größe entwickeln, was bedeutet, daß an Stelle von stationären
Zwischenhänden und Einrichtungen (z. B. ausländische Bankfilialen, Trust-Co. u. ä.)
mit relativ großen, auf die Geldnehmer abzuwälzenden. Bereitschaftskosten das
„fliegende Geschwader‘“ der Arbitrageure tritt, die ihre Kosten aus Umsatz und
Kursdifferenzen decken und als Leistung nicht nur die internationale Kursausglei-
chung, das Vermeiden unnötiger Kurssprünge, produzieren, sondern ohne Zusatz-
kosten ähnlich wie stationäre Einrichtungen wirken. Noch manche Reise von
Vorstandsmitgliedern der Berliner und anderer Börsen ins Ausland wird dazu zweck-
dienlich sein. Um welche Dinge es sich dabei im einzelnen handelt, illustrieren
die nachstehenden „17 Punkte“, welche die New York Stock-Exchange „für den
glatten Zu- und Abfluß amerikanischen Kapitals in das Auslandsgeschäft und aus
demselben heraus bei gleichzeitigem größtmöglichen Schutz für das Anlage-
publikum“‘‘ geschaffen hatl):
ty Kölnische Zeitung, 24. 10. 27.