Object: Geburtenrückgang u. Sozialreform

28 Hige, Geburtenrücgang und Sozialveform | 
Auch wirtjhaftlidH haben die Mietkaiernen den arogen Machteil, daß 
infolge des Mangels von Keller-, Borrats-, Wajdh- und Trodenräumen 
jebe geordnete [parjame Borrats und CEigenmwirt]dhHaft 
unmöglid gemacht ift und fo die HausHaltungsFkojten und die Arbeiten 
der tagtäglihen Einkäufe namentlig für die KHnderreide Famile jich 
außerordentlidh erhöhen. Ale diefe Umftände und Einflüfje find wahrlich 
nicht geeignet, da3 Gedeihen der Kinder und die Freude an ihrer 
machjenden Zahl zu fördern. ; 
Diele mißlichen Berhältnijje herricdhen nicht bloß in den Gropiiäbten, 
jondern fie finden mehr oder weniger auch auf dem Lande und in der 
RMeinjtadt mit der induftriellen Entwicklung Eingang. Die Sucht nöglichfter 
Musnußung des Grund und Bodens, billigjter Gerftellung und ftärkjter 
Belegung mit Mietern führt auch hier zur Vorherridhaft der Majjengquar- 
tiere. Am meijten aber leiden darunter die Änderreihen Familien. Bei 
großer NMachirage wird es für dieje fogar oft jhmer, überhaupt eine aus 
reichende und irgendivie preismwürdige Wohnung zu finden. E33 Ht ganz 
natürlich, daß die Hausbejiger Knderlofje oder Hnderarnıe Üieter bevorzugen. 
Je mehr Kinder, dejto mehr Verjchleiß in Haus und ylur. Bei großer Kinder 
zahl fönnen au Not und Zufälle leichter Ausfälle in der Miete verurjachen. 
Bor allem aber Jind es die Mitbewohner, die Schwierigkeiten machen. Kinder 
bringen Unruhe, Zank, Streit, Lärm ing Haus. Bei eignen Kindern wird 
das ertragen, wird es ausgeglidhen, gemildert durch die Mahnung der Mutter 
und durch taS Krajtmwort des Vaters, aber die Unarten fremder Kinder 
werden. idwerer empfunden. Anfpruchsvolle und nervöle Leute Halten fie 
Hg fern. So mülfen fih die Änderreichen Familien in die IOlecdhtejten und 
teuerjten Wohnungen und Straßen drängen laffen. In den Wohnungs- 
anzeigen fehrt immer häufiger die Wendung wieder, daß nur Hnderiote 
Mieter berücfichtigt oder doch bevorzugt werden. In den IuDufiriezentren 
mehren fig jchon die Fälle, daß kinderreide ärmere Jam 
lien überhaupt feine WohHnung bekommen und dar 
Bolizei- und Armenverwaltung vermittelnd eingreifen müjjen. . 
Diejelben Schwierigkeiten beftehen übrigens auch bei den beifer 
geitellter Familien, nur daß lie hier dann mehr in dem reife 
und der Qualität der Wohnung und ihrer Lage (Straße) jich geltend machen. 
8 gibt Hausbejiger, die auch fogenannte „beffere“ Familien mit vielen 
Rindern in befondere Straßen verbannen, um ihre fonftigen Wohnungeri 
anziehender und zinstragender zu machen. 
Die Wohnungsbedrängnijfe find ja jeßt während der Kriegszeit etwas 
zurüdgetreten. Geute find es die Hausbefiter, weiche über Mietausfälle 
und leere Wohnungen mit Grund Hagen, aber kein Zweifel, daß eS nach 
Einkehr des Friedens wieder anders wird. Zunächit Hat mährend ber 
Rrieasiahre der Wohnunasbau falt oanz aeftockt. Ausfall in den Piieten,
	        
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