— 25á —
mus und zwar zunächst Anfangs der vierziger Jahre für das
Geld der Französischen Akademie von Herrn Reybaud gezeigt
worden ist, müsste überraschen, wenn nicht der feindliche Gegen
satz gegen die bessern Tendenzen und die Wahlverwandtschaft
für die Schwächen hier Alles erklärte. Auf eben derselben
Ursache beruht auch der überallhin fortgepftauzte Fehlgriff, das
nach dem Tode St. Simons Vorgegangene zur Hauptsache zu
machen, die Albernheiten und Thorheiten der Secte nicht nur
für zurechnungsfähig zu erachten, sondern auch in den Vorder
grund zu stellen, und ausserdem die Fourier und Owen,als be
deutendere Erscheinungen auszugeben. Einen gewissen Antheil
hat hieran nicht blos der Mangel an Kritik, sondern auch der
natürliche Instinct gehabt, mit dem Schwächsten am leichtesten
fertig werden und das eigne, nicht sehr ausgiebige Urtheil hiebei
am erfolgreichsten verwerthen zu können.
Die Fortpflanzung der eben angedeuteten, um die eigent
lichen Gedanken wenig bekümmerten Auffassung hat über
St. Simons Socialismus die wunderlichsten Vorstellungen er
zeugt. Bei dem Namen Socialist sollte doch etwas gedacht
werden, und von dem seltsamen Grafen transpirirte in das
weitere Publicum nicht viel mehr als äusserliche Anekdoten
und ein Bericht über das, was nach seinem Tode unter seinem
Namen zum Skandal geworden war. Seine eignen Ideen wur
den am allerwenigsten ins Auge gefasst, und erst in aller
jüngster Zeit ist durch die Berühmtheit August Comtes, der
sich als junger Mann, etwa 1817 an St. Simon anschloss, die
Aufmerksamkeit auf die Gedanken desjenigen zurückgelenkt
worden, dessen Schüler und Mitarbeiter der Verfasser des
„Cursus der positiven Philosopliie” geworden war.
7. Dieses Schicksal der St. Simonsehen Gedanken ist sehr
erklärlich. Die Unbestimmtheit, in der dieselben auftraten,
und noch weit mehr die letzte Blosstellung ihrer Schwäche ge
stattete einem phantastischen Jüngerthum die thOrichtsten Aus
schreitungen. Ein fester vorstandesmässiger Anhaltspunkt war
nicht gegeben; was an Geist und guten Ideen in den Schriften
St. Simons angetroffen wurde, hatte keine rationell zwingende
Form und konnte daher kein Bindemittel abgeben. Im Gegen-
theil musste Derartiges denen, die sich eigentlich nur für eine
neue Religion interessirteu und tief unter dem Niveau der
wichtigsten Ideen des Meisters blieben, als sehr gleichgültig