Die Unmöglichkeit des Ausgleichs von Zahlungsbilanzsalden.
gleich die Sabotierung des Dawes-Planes, jedenfalls der ihm zu Grunde liegenden
Absichten enthalten sei.
Da die Bestimmung wegen ihrer ökonomischen Bedeutung wesentlicher Ver-
tragsbestandteil im juristischen Sinne ist, so läge flagrante Vertragsverletzung
vor, wenn der Reparationsagent bei Bedrohung der Goldgrenze der deutschen
Wechselkurse seine Überweisungen nicht sistieren würde. Wir wären dann ver-
Iragsfrei und könnten nicht nur weitere innerdeutsche Zahlungen an ihn ein-
stellen, sondern sofort alle Konten des Agenten in Deutschland sperren lassen,
sodaß sein Druck auf die Wechselkurse mit sofortiger Wirkung aufhören würde.
Vorstehendes wird lediglich als eine juristische Theorie vorgetragen; im Ernst und
nicht nur aus internationaler Höflichkeit wird man. dem Reparationsagenten eine
solche Vertragsverletzung nicht zu unterstellen brauchen. Allein die Existenz dieser
juristischen Möglichkeit und deren sofortige Entlastungswirkung auf den Devisen-
markt bedeuten für die Erwägungen und Handlungen der internationalen Devisen-
spekulation ein Sicherheitsventil von solcher Stärke, wie es die Möglichkeit von
Goldexporten bei normaler Weltwirtschaft nicht darzubieten vermag. Übrigens
steht der Reichsbank auch der Goldexport. noch außerdem als zusätzliches Not-
ventil zur Verfügung.
Im ganzen kann man sagen, daß es eine absolute Unmöglichkeit für unsere
Reparationsgläubiger ist, unsere Währung in die Luft zu sprengen, ganz abge-
sehen davon, daß sie gar kein Interesse daran haben könnten. Es ist eine Un-
möglichkeit in sich, sofern wir und unsere freundlichen Helfer in der
internationalen Spekulation nicht etwa die Nerven verlieren. Ganz ausgeschlossen
ist eine solche Gefahr nicht 1. angesichts der Unkenntnis im Inland und Aus-
land über die Unmöglichkeit an sich bzw. wegen der noch nicht überall zu-
reichenden Kreditierungsmentalität und der Verbreitung unhaltbarer nationalöko-
nomischer Theorien und 2, wegen des folgenden quantitativen Umstandes. Das
Wechselkurs-Bremssystem hat keine qualitative wohl aber eine quantitative Ände-
rung erfahren; statt daß wie gewöhnlich bei normaler Weltwirtschaft der Zahlungs-
bilanz-Saldo sich von seiner konkreten Entstehung her in vielen tausenden
Händen mit verschiedenen, u. U. sich gegenseitig kompensierenden Interessen be-
ändet, befinden sich jetzt Riesensummen in einer Hand, Summen, wie man sie
(rüher für eine einzelne Hand sich nicht denken konnte. Diese Summen werden
jetzt von einem einzigen Gehirn statt von unzähligen dirigiert, und. das ist es,
was der Erscheinung zwangswirtschaftlichen Charakter verleiht. Zwangswirtschaft
ist Einhirnigkeit!
Sie bedeutet hier, daß — gewissermaßen entgegen der sonstigen Bauern-
regel — ein einziger Dirigent über solche Riesensummen leichter störende Fehler
machen kann, als wenn dieselbe Summe von zahllosen Interessenten dirigiert
würde, Es befindet sich gewissermaßen eine ungeheure Spekulationsmacht in
einer einzigen Hand, was einen panischen Schrecken auf eine etwaige Gegen-
partei innerhalb der internationalen Devisenspekulation, die aus zwar sehr vielen,
aber im einzelnen schwachen Händen besteht, auszuüben vermöchte, sodaß sie
vor dem Mammutgegner kampflos kapitulieren könnte. Aber auch dagegen ist ein
Kraut gewachsen. Die Devisenspekulation kann nur zweierlei tun, entweder mit
dem Reparationsagenten bzw. der Wirkung seiner Geschäfte gehen oder gegen ihn
gehen. Mit den Geschäften des Reparationsagenten parallel zu spekulieren, also
als Mitläufer sich an einer aller Welt eindeutigen Situation zu beteiligen, bringt
nicht viel, vielleicht nicht einmal die Spesen ein. Bezahlt wird nur der Mut,
der sich gegen den Strom stellt und trotz der Aufkäufe des Reparationsagenten
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