Full text: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

50 ‚ Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft. 
beitsintensität — eine Frage der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung und liegt in 
einer ganz anderen Sphäre, Wir müssen auch diesmal den Leser auf eine erst 
weiter unten folgende Ausführung vertrösten, um ihn ganz von dieser konsequen- 
ten Anschauung bezüglich der Zinszahlung zu überzeugen. 
Auch gegenüber den Konsequenzen der unfreiwilligen Investierung des Kapi- 
tals selbst durch das Ausland in Deutschland wird mancher Leser noch unbehag- 
liche Zweifel haben, weil die vorstehende Tatbestandsdarstellung so stark her- 
kömmlicher Anschauung widerspricht. Wir haben auf diese letzten Zweifel in 
den beiden nächsten Abschnitten einzugehen und zuvor noch einige Zwischen- 
bemerkungen zu machen, deren erste in dem Hinweis besteht, daß über die 
Reparationszahlung durch Sachlieferungen im nächsten Kapitel besonders ge- 
sprochen wird und daß es sich auch bei den Sachlieferungen um Schein handelt. 
Die zweite Zwischenbemerkung bezieht sich auf den Teil des Bartransfers, 
der mit „echten Devisen“, die aus wirklichen deutschen Exporten entstanden 
sind, getätigt wird. Soweit solche „echten‘“ und „nicht geborgten‘‘ Devisen an 
den Reparationsagenten und damit an die Ententestaaten überwiesen werden, 
fallen sie natürlich für die Bezahlung unserer Importe fort, sodaß nunmehr aus 
diesem Grunde, um in der Sprache der öffentlichen Meinung zu sprechen „unsere 
Zahlungsbilanz‘“ sich verschlechtert. Eine kleine Denkumstellung führt dazu, auch 
diesen Umstand als unwesentlich anzusehen. Ob nämlich mit solchen „echten‘‘ 
Devisen wirklich Kriegsschulden oder Importe bezahlt werden, ist aus dem ver- 
wirrenden Clearinggetriebe des internationalen Zahlungsverkehrs nicht zu eruieren. 
Es ist außerdem gleichgültig, denn. ob Importe oder Kriegsschulden mit den Ex- 
portdevisen bezahlt werden, in beiden Fällen ist die Auslandskapitalinvestierung 
in Deutschland gleich groß. Auch die Form, in welcher sich die Investierung in 
Deutschland als Kapitalanlage niederschlägt, ist in beiden Fällen gleich bzw. wird 
in beiden Fällen davon nicht beeinflußt. 
Eine dritte Zwischenbemerkung bezieht sich auf Devisenbeschaffung durch 
Export deutscher Wertpapiere. Vor, während und nach jedem Abliefe- 
rungstermin von Devisen an den Reparationsagenten, verkaufen wir Aktien, Ob- 
ligationen, Kuxe an das Ausland, oder das Ausland kauft Wertpapiere bei uns auf. 
Der formale Erfolg besteht darin, daß wir auf diese Weise „Devisen beschaffen‘, 
während die materielle Bedeutung darin besteht, daß die durch deutsche Importe 
und vor allem durch unsere Reparationsschuldpflicht bereits in Deutschland ge- 
tätigten Kapitalanlagen des Auslandes hierdurch langfristig konsolidiert und aus 
dem Zahlungsverkehr herausgenommen werden. Es ist das die Erscheinung, die 
wir im System der Konsolidierung von Zahlungsbilanzsalden bereits kennengelernt 
haben; das Abschwimmen von Wertpapier-Titres ins Ausland bei steigenden Devi- 
senkursen ist das wichtigste Sicherheitsventil jeder Goldwährung und geradezu 
eine Selbstverständlichkeit. Für die Riesensummen, die wir durch die Repara- 
tionen jetzt plötzlich und auf einmal an das Ausland bei jedem Zahlungstermin 
schuldig werden, reicht die alte Form des Sicherheitsventils nicht mehr ganz 
aus: Neben dem Abschwimmen von einzelnen oder Paketen von Wertpapieren im 
Wege der internationalen Effektenspekulation, der internationalen Einflußnahme 
auf deutsche Unternehmungen u. ä. sehen wir jetzt ganze Emissionen deutscher 
Wertpapiere im Ausland gleich in Riesenbeträgen von hunderten Millionen Mark 
auf einmal. 
Daß wir solche langfristige juristische Formgebung für in Deutschland ge- 
wachsenes und dort lange vorher in Betriebseinrichtungen, Anlagen, Lagervorräten, 
Berufsausbildungen usw. investiertes Kapital als „Kapitaleinfuhr aus dem Aus-
	        
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