Die störende Wirkung der Reparationen für die Empfangsländer. 83
und Betriebe, welche durch die Streichung der englischen usw. Schulden wegen
der damit wegfallenden inneren Zinslast geringere Steuern zu zahlen brauchen,
üben dieselbe Kaufkraft der obigen Sparer noch einmal, also zusätzlich aus und
zwar solange bis dafür in Deutschland Kapitalanlagen übernommen werden, Auch
die konjunkturale Störung ist dieselbe. .
Im Übrigen sei zu der Frage der Verdauung der Barzahlungen durch die En-
tentestaaten .noch auf die These von E. Schultzel) verwiesen, Aus der Ge-
schichte der großen internationalen Kapitalinvestierungen der letzten Jahrhunderte
folgert er ein weltwirtschaftliches Gesetz des „Handelsbilanz-Umschwungs“:
1. Stufe: Kapitalexport; 2. Stufe: Umschwung; das Land des früheren Kapital-
imports ist in seiner Produktion so erstarkt, daß es die weltwirtschaftliche Rente
des Kapitalexporteurs und die Schuldamortisation?) mit Ausfuhrüberschüssen be-
zahlt; 3. Stufe: Das ehemals kapitalexportierende Land führt ein. „Midas-Da-
sein“, der nationale Reichtum ist ungeheuer schlecht verteilt, die weniger wohl-
habenden Schichten sind an dem Auslandskapitalbesitz nicht beteiligt (Zusatz des
Verfassers: und leiden unter der geringen Unternehmungslust der Kapitalisten!),
bis schwere Schicksalsschläge eine Besserung erzwingen. Vielleicht berücksichtigt
Schultze nicht genügend die weltwirtschaftlichen Produktions- und Verkehrs-
verlagerungen, welche in der Geschichte zu Katastrophen für „reiche‘“ Länder ge-
führt haben. Im Übrigen ist das Bild von den Ententestaaten in der Midas-Rolle
nicht schlecht, der wichtige Gesichtspunkt dabei ist die Störung im Wirtschafts-
kreislauf der „reichen‘“ Länder; es darf im Abschnitt 2f nochmals darauf zurück-
gekommen werden. Es scheint eine lohnende Arbeit zu sein, zu untersuchen, wie
weit bei den Wirtschaftskatastrophen in „reichen‘“ Ländern früherer Jahrhunderte
der Inflationscharakter der Zinszahlungen aus ausländischer Kapitalanlage zum Zu-
sammenbruch beigetragen hat,
8) Die „Verdauung“ der Sachlieferungen durch die Empfangsländer.
Wir können uns in diesem Abschnitt sehr kurz fassen, weil diese Verdauungs-
beschwerden der Empfangsländer allgemein bekannt sind und der zwangswirtschaft-
liche Störungscharakter nur zu deutlich auf der Hand liegt. Nur 2 Zitate aus dem
Deutschen Volkswirt?) seien wiedergegeben. Der Widerstand der franzö6-
sischen Industrie gegen die Sachlieferungen der deutschen Werke verschärfe sich
in geometrischer Progression mit der arithmetischen Zunahme. Im Normaljahr 1929
werde die französische Reparationsquote mit einer Milliarde Mark mehr ausmachen,
als die heutige gesamte Fabrikateeinfuhr nach Frankreich. Da der Wiederverkauf
der Sachlieferungen in anderen Ländern verboten ist, so trüge bereits jetzt die
Assortierung oder Spezifizierung der verlangten Sachlieferungen einen Verlegen-
heitsstempel.
„Selbst die geplanten öffentlichen Arbeiten, sowohl in Frankreich als auch
in Belgien und in deren Kolonieen, werden sich nach kurzer Zeit als undurchführ-
. 1 ..
S.42 8 De Sohn tz de EA und Daweslast, G. A. Gloeckner, Leipzig 1
Hans Meyer-Festschrift * Kol resetz des Handelsbilanzumschwungs in der Koloni N Ef
2) Die AS schrift, „Ko oniale Studien‘‘, Verlag Dietr. Reimer, Berlin (Sond de En
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könnte. „SC , für die man eventuell in den Schuldturm geworfen. Kapital
3) Der Deut i
1 utsche Volkswirt, herausgegeben von Stolper, Verlag Berlin 1927