Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel I. Die Optimisten. 
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nennen könnte, die von da an in ein einziges Glaubensbekenntnis ver 
schmolzen und einen und denselben Namen trugen; Liberalismus. 
Die wirtschaftliche Freiheit, die der Arbeit und des Tausches, er 
schien nunmehr als eine Unterabteilung in der Gesamtheit der not 
wendigen Freiheiten, ebenso wichtig wie die Gewissensfreiheit und 
die Freiheit der Presse. Wie die anderen war auch sie eine Er 
rungenschaft der Demokratie und der Kultur, und es schien ebenso 
eitel, sie unterdrücken zu wollen, als zu versuchen einen Strom zu 
seiner Quelle zurückzulenken. Sie war ein Bestandteil des allge 
meinen Programmes der Befreiung von jeder Hörigkeit. 
Nicht umsonst fiel die Geburt der Nationalökonomie in die Todes 
stunde des „ancien regime“; und wenn die Physiokraten, die ersten 
liberalen Optimisten, in so ungerechter Weise von denen, die doch 
ihre Söhne waren, ignoriert und verlassen worden sind, so lag das 
■sicherlich viel weniger an ihren wirtschaftlichen Fehlern, als au 
ihren politischen Lehren und besonders an der von dem „gesetz 
lichen Despotismus“, die den Liberalen von 1830 als eine Monstru- 
osität oder wenigstens als ein Überbleibsel der alten Ordnung er 
schien. Dieses Gebrechen genügte in ihren Augen, um das physio- 
kratische System durchaus zu diskreditieren '). 
Das Buch von Charles Dünoyee, das 1845 2 ) unter dem etwas 
1 angen aber klaren Titel erschien; Von der A r b e i t s f r e i h ei t 
oder einfach eDarlegung der Bedingungen, unter denen 
die menschlichen Kräfte sich mit dem größten Erfolge 
betätigen, kennzeichnet mit großer Genauigkeit diese Ara des 
politisch-ökonomischen Liberalismus. Aber, mag das Buch Dunoter’s 
auch der Verherrlichung der Freiheit in allen ihren Formen und 
besonders der der Konkurrenz gewidmet sein, so erscheint doch die 
optimistische Tendenz in ihm weniger auffällig als in einem anderen 
Buche, das fast zur gleichen Zeit erschien und viel berühmter geworden 
ist, in den ökonomischen Harmonien (les Harmonies Economiques) i / 
Bastiat’s (1850). In diesem Buche und in den anderen Schriften des 
selben Verfassers werden wir die Hauptzüge dieser Lehre suchen 
müssen. Gewiß, Bastiax ist wegen der Übertreibungen seines Optimismus 
und seines Glaubens an die Endzwecke von einer großen Anzahl Volks 
wirtschaftler der liberalen Schule verleugnet worden. Dennoch bleibt 
er der bedeutendste Vertreter der optimistischen liberalen Lehre, und 
man könnte vielleicht sagen, der ganzen französischen Schule. 
1 ) Siehe weiter oben (S. 39—40), was wir über die politische Lehre der Physio- 
hraten gesagt haben. 
2 ) Es hat frühere Ausgaben gegeben, aber unter verschiedenen Titeln und von 
Ideinerem Umfange (in den Jahren 1825 und 1830). Wir werden Dunoybr etwas weiter 
■unten wieder finden. Vgl. Villby, L’oeu vre economique de Dunoyeh, Paris, 1899. 
Gide und Eist, Gesch, d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen. 24
	        
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