Full text: Das Jungdeutsche Manifest

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Diese Aufsicht muß dazu führen, daß ihr Vorhandensein und 
ihre Wirkungen bekannt werden. Ständige Gegenmaßnahmen des 
organisierten Volkes gegen die Demagogie sind die natürliche Folge 
der Grundformen des Volksstaates. 
Volksstaat uno Kirche 
Der Volksstaat wurzelt in der Weltanschauung der christlichen 
Lehre. Ihre Grundbegriffe sind in seinem Wesen verankert. 
Nur im Bekenntnis zu einer wahren christlichen 
Nächstenliebe verwirklicht sich der wahre Sinn der Nach— 
barschaft. Sie bietet das Feld der Betätigung für eine 
wahrhaftschristliche Menschheitsveredelung. 
In der Gemeinschaftsbildung der Nachbarn wird die Nächsten— 
liebe vor jene praktischen Aufgaben gestellt, denen sich der moderne 
Mensch mit Vorliebe entzieht. Die Nächstenliebe dieser modernen 
Menschen bezieht sich oft nur auf eine Verbundenheit mit den Mit— 
menschen, die sie sich selbst aussuchen. Bei dieser Auswahl folgen sie 
den bequemen Normen sozialer oder ständischer Interessengleichheit. 
Die christliche Aufgabe, die der Volksstaat stellt, geht weiter. Sie 
fordert die Liebe und Verbundenheit zum Nächsten in einem be— 
timmten Umkreis von solchen Menschen, die in ihrem Leben durch 
zahllose Gegensätze auseinandergespalten sind. Der Volksstaat fordert 
trotz dieser Gegensätze ihre Verbundenheit im Dienste an der brüder— 
lichen Gemeinde des Volkes. 
„Selig sind die, die ihr Leben lassen für ihre 
Brüder.“ 
Mit diesem Wort hat die Lehre des Heilandes der christlichen 
Weltanschauung die höchste Prägung ihres idealistischen Inhaltes ge— 
geben. Der materialistische Gehalt der modernen Staatsauffassung 
bverträgt sich nicht mit dieser Lehre. Der Materialismus erhebt das 
Wohlbehagen im irdischen Dasein, den leiblichen Genuß materieller 
Büter zum Richtpunkt politischer Anschauungen und Handlungen. 
Der Volksstaat fordert von seinen Staatsbürgern das erstgeborene 
Recht ihres Dienstes an der Gemeinde der Brüder. Er fordert die 
praktische Ausübung christlicher Gesinnung. 
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