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Diese Aufsicht muß dazu führen, daß ihr Vorhandensein und
ihre Wirkungen bekannt werden. Ständige Gegenmaßnahmen des
organisierten Volkes gegen die Demagogie sind die natürliche Folge
der Grundformen des Volksstaates.
Volksstaat uno Kirche
Der Volksstaat wurzelt in der Weltanschauung der christlichen
Lehre. Ihre Grundbegriffe sind in seinem Wesen verankert.
Nur im Bekenntnis zu einer wahren christlichen
Nächstenliebe verwirklicht sich der wahre Sinn der Nach—
barschaft. Sie bietet das Feld der Betätigung für eine
wahrhaftschristliche Menschheitsveredelung.
In der Gemeinschaftsbildung der Nachbarn wird die Nächsten—
liebe vor jene praktischen Aufgaben gestellt, denen sich der moderne
Mensch mit Vorliebe entzieht. Die Nächstenliebe dieser modernen
Menschen bezieht sich oft nur auf eine Verbundenheit mit den Mit—
menschen, die sie sich selbst aussuchen. Bei dieser Auswahl folgen sie
den bequemen Normen sozialer oder ständischer Interessengleichheit.
Die christliche Aufgabe, die der Volksstaat stellt, geht weiter. Sie
fordert die Liebe und Verbundenheit zum Nächsten in einem be—
timmten Umkreis von solchen Menschen, die in ihrem Leben durch
zahllose Gegensätze auseinandergespalten sind. Der Volksstaat fordert
trotz dieser Gegensätze ihre Verbundenheit im Dienste an der brüder—
lichen Gemeinde des Volkes.
„Selig sind die, die ihr Leben lassen für ihre
Brüder.“
Mit diesem Wort hat die Lehre des Heilandes der christlichen
Weltanschauung die höchste Prägung ihres idealistischen Inhaltes ge—
geben. Der materialistische Gehalt der modernen Staatsauffassung
bverträgt sich nicht mit dieser Lehre. Der Materialismus erhebt das
Wohlbehagen im irdischen Dasein, den leiblichen Genuß materieller
Büter zum Richtpunkt politischer Anschauungen und Handlungen.
Der Volksstaat fordert von seinen Staatsbürgern das erstgeborene
Recht ihres Dienstes an der Gemeinde der Brüder. Er fordert die
praktische Ausübung christlicher Gesinnung.
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