fullscreen: Die deutsche Wirtschaft

Wirtschaft und Steuerpolitik, 273 
Volkes, der öffentlichen Finanzen und des Staatslebens bedeutet, Die 
Steuerreform 1925 wurde im wesentlichen auch mit derartigen 
Argumenten begründet. Die bis dahin geltenden Steuervorschriften 
haben ja zu einem großen Teil diese Überspannung der Steuern 
herbeigeführt. Ein geordnetes Steuerwesen hatten wir seit dem Kriege 
nicht. In der Inflationszeit war es unmöglich, Außerdem lebten 
damals Reich, Länder und Gemeinden aus der Inflation selbst, aus 
der Notenpresse, Mit der Stabilisierung der Währung kamen die sog. 
Steuernotverordnungen, die von ihrem Schöpfer, dem jetzigen Reichs- 
kanzler Dr. Luther, selbst als brutale Notmaßnahme bezeichnet wurden, 
mit denen das Äußerste aus der Volkswirtschaft herausgeholt wurde, 
um die öffentlichen Einnahmen und Ausgaben ins Gleichgewicht zu 
bringen und als wesentliche Sicherung für den Fortbestand der stabi- 
lisierten Währung. Diese Notverordnungen nahmen die Steuern be- 
kanntlich ohne Rücksicht auf den Ertrag und die tatsächliche steuer- 
liche Leistungsfähigkeit. Die sog. Einkommensteuern wurden erhoben 
nach Merkmalen des Umsatzes oder des Vermögens. Länder und Ge- 
meinden schlossen sich diesem Vorgehen an. Nur dadurch war es 
möglich, in dieser Zeit und bei dieser Wirtschaftslage überhaupt so 
hohe Summen aufzubringen. Nun hat die Wirtschaft selbst wiederholt 
anerkannt, daß im Interesse der Währung und der Aufrechterhaltung 
des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens eine solche brutale Steuer- 
politik zunächst notwendig war, Diese Maßnahmen sind aber viel zu 
lange aufrechterhalten worden, die Einnahmen sind nicht nur, ent- 
sprechend den an sich schon überspannten hohen Anforderungen der 
öffentlichen Verwaltungen, aufgekommen, sondern es sind sogar erheb- 
liche Überschüsse erzielt worden. Den Ländern und Gemeinden sind 
große Mittel zugeflossen, mit denen sie zunächst nicht rechneten, 
Nach dem tatsächlichen Ergebnis des Steueraufkommens im ersten 
Vierteljahr des Rechnungsjahres 1925/26 überstiegen die Gesamtein- 
nahmen die Einnahmen in dem entsprechenden Zeitabschnitt des Jahres 
1924 um 311 Millionen. 35% des Jahressollaufkommens waren am 
30. Juni 1925 bereits hereingebracht, das bedeutet auf das Jahr um- 
gerechnet eine Überschreitung des Reichshaushaltsvoranschlages um 
2 Milliarden, 
Leider sind diese Mehreinnahmen nicht etwa als Notreserve zu- 
rückgestellt, sondern als Mehrausgaben aufgezehrt worden. Die 
öffentlichen Haushaltspläne haben sich weiter auf so hohe Einnahmen 
eingestellt und sind zum Teil noch über die Ergebnisse des letzten 
Jahres hinausgegangen, so daß wir zum Teil durch die allgemeine Etats- 
politik der letzten Jahre, die über die tatsächlichen Möglichkeiten, 
entsprechende Mittel aufzubringen, einfach hinwegging, zum anderen 
Die deutsche Wirtschaft. 
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