fullscreen: Kaufmanns Herrschgewalt

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XVIII. Was für Tarife würde ich aufstellen, 
welche heimatliche Erzeugnisse benutzen und konsumieren, würde 
ich überhaupt nicht besteuern; aber die Damen und Herren der 
vornehmen Welt, welche, was immer es kosten mag, feine Woll 
stoffe, außerordentlich feine Seide, und besonders fein gewobenes 
europäisches Linnen tragen — diese sollten die Tarifabgaben zahlen. 
Die beschränkte Zahl der Reichen würde sich unter einem solchen 
Tarif — dadurch, daß sie die vielleicht doppelten Abgaben zahlen 
— selbst noch 1 vornehmer als jetzt fühlen. Die große Masse 
aber, welche amerikanischen Tabak raucht, sollte keine höheren 
Steuern zahlen als gegenwärtig. Der reiche und luxuriöse Herr 
dagegen, dessen feiner Geruchsinn das Aroma einer echten Havanna 
verlangt, müßte für den Staat mehr einbringen, indem er eine 
doppelt so hohe Abgabe wie die gegenwärtige zahlt. Die Leute, 
welche Champagner und alte seltene Weine trinken, sowie die, 
welche ausgesucht altes und feines Glas und Porzellan kaufen, 
sollten in die Lage gebracht werden, mit vollem Recht mit deren 
erhöhtem Wert zu prahlen. 
Man darf niemals vergessen, daß Importartikel nur von den 
wenigen Reichen, einheimische Artikel dagegen von den großen 
Massen gebraucht werden. Die erhöhten Abgaben auf fremde 
Luxusartikel würden nicht mit der Absicht eines Schutzzolles, son 
dern einzig mit der Rücksicht auf die dadurch erzielten höheren 
Einnahmen erhoben werden. Daß nebenbei diese Zollpolitik einiger 
maßen den einheimischen Fabrikanten zugute kommen dürfte, ist 
gewiß kein Einwurf gegen dieselbe; dennoch könnte ein solcher 
Nutzen, wenn er überhaupt vorhanden wäre, nur gering sein, da 
die feine Seide, sowie feinste Wolle und Linnen nicht bei uns 
im Lande produziert werden, ebensowenig wie teuere Weine, 
Zigarren und andere Luxusartikel. Unsere einheimischen Indu 
striellen haben dagegen ganz den Markt für Güter gewöhnlicher 
Art in ihrer Gewalt, die von den Massen Verwendung finden. 
Die bisher befolgte Politik ist gerade das Gegenteil von alledem. 
Eine ganze Seite könnte man mit Anführung aller jener Luxus 
artikel füllen, für welche die Abgaben im neuen Tarif herab 
gesetzt sind. Ich gebe hier einige solcher Reduktionen: 
Die Abgabe für Porzellan ist auf 50 Proz. 
„ „ „ Glasplatten und gefärbtes Glas . „ „ 40 „
	        
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