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Erster Abschnitt.
ganz verschiedene Preisausdrücke, oder wird in ganz verschiedenen
Quantitäten Gold, Silber oder Kupfer vorgestellt.
Dienen daher zwei verschiedene Waren, zum Beispiel Gold und
Silber, gleichzeitig als Wertmaße, so besitzen alle Waren zweierlei
verschiedene Preisausdrücke, Goldpreise und Silberpreise, die ruhig
nebeneinander laufen, solange das Wertverhältnis von Silber zu
Gold unverändert bleibt, zum Beispiel — 1:15. Jede Verände-
rung dieses Wertverhältnisses stört aber das Verhältnis zwischen
den Goldpreisen und den Silberpreisen der Waren, und beweist so
tatsächlich, daß die Verdoppelung des Wertmaßes seiner Funktion
widerspricht.®
Die preisbestimmten Waren stellen sich alle dar in der Form:
a Ware A — x Gold; b Ware B — z Gold; ce Ware C == y Gold usw.,
wo a, b, c bestimmte Massen der Warenarten A, B, C vorstellen,
x, z, y bestimmte Massen Goldes. . Die Warenwerte sind daher
verwandelt in vorgestellte Goldquahta von verschiedener Größe,
also trotz der wirren Buntheit der Warenkörper in gleichnamige
3 Note zur 2. Ausgabe. „Wo Gold und Silber gesetzlich als Geld, das
heißt als Wertmaß nebeneinander bestehen, ist stets der vergebliche Versuch
gemacht worden, sie als eine und dieselbe Materie zu behandeln. Unter-
stellt man, daß dieselbe Arbeitszeit sich unveränderlich in derselben Pro-
portion von Silber und Gold vergegenständlichen muß, so unterstellt man
in der Tat, daß Silber und Gold dieselbe Materie sind, und daß eine be-
stimmte Masse des minder wertvollen Metalls, des Silbers, den unveränder-
lichen Bruchteil einer bestimmten Goldmasse bildet. Von der Regierung
Edwards II. bis zur Zeit von Georg If. verläuft sich die Geschichte des
englischen Geldwesens in eine fortlaufende Reihe von Störungen, hervor-
gehend aus der Kollision zwischen der gesetzlichen Festsetzung des Wert-
verhältnisses von Gold und Silber und ihren wirklichen Wertschwankungen.
Bald war Gold zu hoch geschätzt, bald Silber. Das zu niedrig geschätzte
Metall wurde der Zirkulation entzogen, umgeschmolzen und exportiert. Das
Wertverhältnis beider Metalle wurde dann wieder gesetzlich verändert,
aber der neue Nominalwert trat bald mit dem wirklichen Wertverhältnis in
denselben Konflikt wie der alte. — In unserer eigenen Zeit hat der sehr
schwache und vorübergehende Fall im Wert von Gold gegen Silber infolge
der indisch-chinesischen Silbernachfrage dasselbe Phänomen auf der größten
Stufenleiter in Frankreich erzeugt, Ausfuhr von Silber und seine Vertreibung
aus der Zirkulation durch Gold. Während der Jahre 1855, 1856, 1857 betrug
der Ueberschuß der Goldeinfuhr in Frankreich über die Goldausfuhr aus
Frankreich 41 580 000 Pfd. Sterl., während der Ueberschuß der Silberausfuhr
über die Silbereinfuhr 14 704 000 Pfd. Sterl. betrug. In der Tat, in Ländern,
wo beide Metalle gesetzliche Wertmaße sind, daher beide in Zahlung ange-
nommen werden müssen, jeder aber beliebig in Silber oder Gold zahlen
kann, trägt das im Wert steigende Metall ein Agio und mißt wie jede andere
Ware seinen Preis in dem überschätzten Metall, während letzteres allein
als Wertmaß dient. Alle geschichtliche Erfahrung in diesem Gebiet redu-
ziert sich einfach darauf, daß, wo gesetzlich zwei Waren die Funktion des
Wertmaßes versehen, faktisch immer nur eine als solches den Platz be-
hauptet.‘“ (Karl Marz: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S. 52, 53.)
"Stuttgarter Ausgabe S. 59, 60.]