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XXV 1.
veränderte Bedeutung gegeben und ihm seine Daseinsberechti
gung geraubt.
Dafs die in die weit ausgedehnten Südstaaten der ab
gefallenen Union geführten Negerimporte nicht mehr in Eng
lands Interesse liegen konnten, lag auf der Hand. Somit war
das Gebiet, auf dem England nach 1783 noch Sklavenarbeit
verwenden konnte, in der Hauptsache auf die verhältnismäfsig
kleinen westindischen Inseln beschränkt; denn die englisch ge
bliebenen nordamerikanischen Besitzungen in Kanada, Neu
schottland und Neufundland kamen für den Negerhandel nicht
in Betracht, weil hier ebenso wie in den Nordstaaten der
Union aus klimatischen und wirtschaftlichen Gründen besser
europäische Einwanderer die Feldarbeit verrichteten. Ganz
Ostindien schied gleichfalls aus, weil dort eine andere Arbeits
verfassung, auf freier Lohnarbeit beruhend, vorherrschte, und
andere nennenswerte Kolonien besafs England damals nicht.
Der Einflufs dieser territorialen Veränderungen prägte
sich mit grofser Deutlichkeit in der Abnahme der Zahl der
britischen Sklavenschiffe seit 1771 aus. Es segelten aus
Grofsbritannien nach der afrikanischen Küste (Rep. 1789, IV,
Nr. 1) :
Im Jahre 1771 = 192 Schiffe
„ „ 1772 = 175 „
„ „ 1773 = 151 „
„ „ 1774= 164 „
7) M
M ))
M M
» ft
1775 = 152
1776 = 101
1777 = 58
1778 = 41
1779 = 28
Im Jahre
H ft
V M
1780 = 53 Schiffe
1781 = 77 „
1782 = 69 „
1783 = 130 „
1784 = 99 „
1785 = 116 „
1786 = 146 „
1787 = 137 „
Die Schiffszahl des Jahres 1771 ist später, 1798, nur noch
einmal wieder annähernd erreicht worden.
Noch in anderer Beziehung bedeutete das Jahr 1783 einen
Wendepunkt für die Beurteilung der den nichtbritischen
Kolonien zugeführten Sklavenimporte. Bisher hatte jeder eng
lische Wirtschaftspolitiker hierin einen nationalen Gewinn er
blickt; denn der Handel beschäftigte eine gewisse Anzahl
Schiffe und Matrosen, führte dem Mutterlande für die ver
kauften Neger eine entsprechende Menge Edelmetall zu und
stärkte dessen „aktive Handelsbilanz“. Wennschon die ein
geführten Sklaven den Produktionsertrag der ausländischen
Kolonien erhöhten, so kam infolge der geschilderten nord
amerikanisch-westindischen Handelsbeziehungen ihr wachsender
Wohlstand den Nordamerikanern und dadurch schliefslich auf
einem Umwege auch Grofsbritannien zu gute, da jeder ins
Ausland verkaufte Sklave die Ausfuhr der nordamerikanischen