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Erster Abschnilt
dem Reichtum der bürgerlichen Gesellschaft. „Seien wir reich odel
scheinen wir reich“ (Diderot). Es bildet sich so teils ein stet
ausgedehnterer Markt für Gold und Silber, unabhängig von ihre
Geldfunktionen, teils eine latente Zufuhrquelle des Geldes, die
namentlich in gesellschaftlichen Sturmperioden fließt.
Die Schatzbildung erfüllt verschiedene Funktionen in der Oekt
nomie der metallischen Zirkulation. Die nächste Funktion ent
springt aus den Umlaufsbedingungen der Gold- und Silbermünze
Man hat gesehen, wie mit den beständigen Schwankungen del
Warenzirkulation in Umfang, Preisen und Geschwindigkeit die
Umlaufsmasse des Geldes rastlos ebbt und flutet. Sie muß also der
Zusammenziehung und Ausdehnung fähig sein. Bald muß Geld al
Münze angezogen werden und in die Zirkulation eintreten, bald
Münze als Geld abgestoßen werden und aus der Zirkulation aus
treten. Damit die wirklich umlaufende Geldmasse dem Sättigung“
grad der Zirkulationssphäre stets entspreche, muß das in einem
Lande befindliche Gold- oder Silberquantum größer sein als da®
in Münzfunktion begriffene. Diese Bedingung wird erfüllt durch
die Schatzform des Geldes. Die Schatzreservoirs dienen zugleich
als Abfuhr- und Zufuhrkanäle des zirkulierenden Geldes, welche
seine Umlaufskanäle daher nie überfüllt.?
b) Zahlungsmittel
In der bisher betrachteten unmittelbaren Form der Warer
zirkulation war dieselbe Wertgröße stets doppelt vorhanden, War“
auf dem einen Pol, Geld auf dem Gegenpol. Die Warenbesitze!
iraten daher nur in Kontakt als Repräsentanten wechselseitig vor
handener Aequivalente. Mit der Entwicklung der Warenzirkulatios
entwickeln sich jedoch Verhältnisse, wodurch die Veräußerung de'
% „Zur Fortführung des Geschäftsverkehrs jeder Nation ist eine be
stimmte Summe Bargeldes notwendig, die schwankt und höher oder tiefe
steht, wie es jeweils die Umstände erfordern. ... Diese Schwankunge®
diese Ebbe und Flut des Geldes, passen sich ohne Einmischung der R®
zierung den wechselnden Situationen an. ... Die beiden Eimer arbeite!
abwechselnd: wenn Geld knapp ist, werden Barren ausgemünzt; sin“
Barren knapp, werden Münzen eingeschmolzen.“ (Sir D. North: „Discours®
upon Trade. London 1691“, p. 22.) John Stuart Mill, lange Zeit Beamte
der ostindischen Kompanie, bestätigt, daß in Indien immer noch der Silber
schmuck unmittelbar als Schatz funktioniert. Die „silbernen Schmuck
sachen werden in die Münze geschickt, sobald der Zinsfuß hoch steht; 8
wandern zurück, wenn der Zinsfuß sinkt.“ (J. St. Mills: „Evidence Reports ®
Bankacts 1857“, n. 2084.) Nach einem parlamentarischen Dokument vo
1864 über Gold- und Silber-Import und -Export in Indien überstieg 1886
der Import von Gold und Silber den Export um 19867 764 Pfd. Sterl. In de”
letzten acht Jahren vor 1864 betrug der Ueberschuß des Imports über d®
Export der edien Metalle 109652917 Pfd. Sterl. Während dieses Jah!
hunderts wurden weit über 200000000 Pfd. Sterl. in Indien gemünzt.