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Erster Abschnitt
gleichen, funktioniert es nur ideell als Rechengeld oder Maß der
Werte, Soweit wirkliche Zahlung zu verrichten, tritt es nicht als
Zirkulationsmittel auf, als nur verschwindende und vermittelnde
Form des Stoffwechsels, sondern als die individuelle Verkörperung
der gesellschaftlichen Arbeit, selbständiges Dasein des Tausch-
wertes, absolute Ware. Dieser Widerspruch kommt zum Ausbruch
in dem Moment der Produktions- und Handelskrisen, der Geldkrise
heißt.*® Sie ereignet sich nur, wo die ununterbrochene Kette auf
einanderfolgender Zahlungen und ein künstliches System ihrer Aus
gleichung völlig entwickelt sind. Mit allgemeineren Störunger
dieses Mechanismus, woher sie immer entspringen mögen, schlägl
das Geld plötzlich und unvermittelt aus der nur ideellen Gestall
des Rechengeldes in hartes Geld um. Es wird unersetzlich durch pro
fane [gemeine] Waren. Der Gebrauchswert der Ware wird wertlos
und ihr Wert verschwindet vor seiner eigenen Wertform. Ebert
noch erklärte der Bürger in prosperitätstrunkenem Aufklärungs
dünkel das Geld für leeren Wahn. Nur die Ware ist Geld. Nur da®
Geld ist Ware! gellt’s jetzt über den Weltmarkt. Wie der Hirsch
schreit nach frischem Wasser, so schreit seine Seele nach Geld,
dem einzigen Reichtum.!® In der Krise wird der Gegensatz zwischel
der Ware und ihrer Wertgestalt, dem Geld, bis zum absoluten
Widerspruch gesteigert. Die Erscheinungsform des Geldes ist hier
daher auch gleichgültig. Die Geldhungersnot bleibt dieselbe, ob
in Gold oder Kreditgeld, Banknoten etwa. zu zahlen je+101
% Die Geldkrise, wie im Text bestimmt als besondere Phase jede!
allgemeinen Produktions- und Handelskrise, ist wohl zu unterscheiden vol
der speziellen Sorte der Krise, die man auch Geldkrise nennt, die abel
selbständig auftreten kann, so daß sie auf Industrie und Handel nur rück
schlagend wirkt. Es sind dies Krisen, deren Bewegungszentrum das Geld
kapital ist, und daher Bank, Börse, Finanz ihre unmittelbare Sphäre.
100 „Dieses plötzliche Umschlagen aus dem Kreditsystem in das
Monetarsystem fügt den theoretischen Schrecken zur praktischen Panik‘
and die Zirkulationsagenten schaudern vor dem undurchdringlichen Ge
heimnis ihrer eigenen Verhältnisse.“ (Karl Marx: „Zur Kritik der Politi-
schen Oekonomie, Berlin 1859“, S, 126.) [Stuttgarter Ausgabe S. 148.] „Die
Armen sind arbeitslos, weil die Reichen kein Geld haben, um sie zu be
schäftigen, obgleich sie im Besitz desselben Grund und Bodens und der
selben Arbeitskräfte sind wie sonst, um Lebensmittel und Kleider zu produ
zieren. In diesen besteht aber der wahre Reichtum einer Nation und
nicht im Gelde.‘“ (John Bellers: „Provosals for raising a Colledge df
Industry. London 1696“, p. 38.)
+01 Wie solche Momente von den „amis du commerce“, den „Freu
den des Handels“, ausgebeutet werden: „Bei einer bestimmten G&
legenheit (1839) hob ein alter wucherischer Bankier (der City) 3
seinem Privatkontor den Deckel seines Pultes auf und zeigte eine®
Freunde Rollen Banknoten; und dabei sagte er mit dem deutliche
Ausdruck der Freude, das wären 600000 Pfd. Sterl. in Noten; die
hielte er zurück, um Geldknappheit zu erzielen. Nach 3 Uhr nach
mittags desselben Tages würde er sie auf den Markt werfen.“ („The