Contents: Wissenschaftliches Arbeiten

Anforderungen 4 
1. Hinsichtlich des Gegenstandes muß vor allem 
die zu behandelnde Frage auch für eine solche popu- 
lär-wissenschaftliche Darstellung geeignet sein. 
Sie darf nicht allzu große Schwierigkeiten für das Verständ- 
nis bieten und muß auch in einer gewissen Beziehung zu 
weiteren Kreisen stehen und nicht zu jenen Punkten ge- 
hören, die ihrer Natur nach nur vor dem Forum der 
Fachgenossen zu behandeln, sind. 
Insbesondere muß dasjenige, was in einer gemeinver- 
ständlichen Darstellung dem Volke als Resultat wissen- 
schaftlicher Forschung vorgelegt wird, auch tatsächlich zu 
den gesicherten und allgemein anerkannten Ergebnissen der 
Forschung gehören. Man müßte es geradezu als ein Ver- 
brechen an der Wahrheit und als gemeingefährliches Vor- 
gehen bezeichnen, wenn jemand subjektive Anschauungen 
und haltlose Hypothesen als feststehende wissenschaftliche 
Resultate weiteren Kreisen darbieten wollte. 
Wie sehr in dieser Beziehung gefehlt wird, zeigt ein Blick in die 
Tagesliteratur, vorzüglich auf religiösem Gebiete. Überaus lehrreich 
ist unter dieser Rücksicht ein geschichtlicher Rückblick auf die Leben- 
Jesu-Forschung des neunzehnten Jahrhunderts. Im Kampf gegen die 
Offenbarung hat die kritische Forschung von Paulus, Strauß, Renan 
bis zu den modernen Heinrich und Oskar Holzmann, Bernhard und 
Johannes Weiß, Wernle, Wrede in ständigem Wechsel durch stets neue 
Hypothesen die alten verdrängt, ohne daß sie bisher, abgesehen von 
den unbewiesenen Negationen, zu einem anerkannten positiven Resultat 
gelangt wäre. Obwohl der heständige Wandel genügend den problema- 
tischen Charakter dieser kritischen Forschung offenbart, wurden und 
werden doch die haltlosen Hypothesen in allen Stadien immer wieder 
mit zuversichtlicher Sıegesgewißheit als gesicherte Ergebnisse der Wissen- 
schaft in populären Artikeln, Broschüren und größeren Schriften den 
weitesten Kreisen dargeboten. 
2, Weiterhin muß als eine der notwendigsten Voraus- 
setzungen die gründliche Kenntnis des Gegenstan- 
des bezeichnet werden, über den man für weitere Kreise zu 
schreiben beabsichtigt. Die Notwendigkeit dieser Forderung 
leuchtet von selbst ein. Sie tritt noch klarer hervor, wenn 
man ein doppeltes beachtet: zunächst die Schwierigkeit, über 
wissenschaftliche Gegenstände in gemeinverständlicher Weise 
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