Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Dritter Abschnitt 
in dem der Baumwolle zugesetzten Wert von 83 Shilling, Wert für 
Wert. Unser Freund, eben noch so kapitalübermütig, nimmt plötz 
lich die anspruchslose Haltung seines eigenen Arbeiters an. Hal 
er nicht selbst gearbeitet? nicht die Arbeit der Ueberwachung, der 
Oberaufsicht über den Spinner verrichtet? Bildet diese seine Arbeit 
nicht auch Wert? Sein eigener Werkführer und sein Direktor zucker 
die Achseln. Unterdes hat er aber bereits mit heiterem Lächeln 
seine alte Physiognomie wieder angenommen. Er foppte uns mil 
der ganzen Litanei, Er gibt keinen Deut darum. Er überläßt dies 
und ähnliche faule Ausflüchte und hohle Flausen den dafür eigen! 
bezahlten Professoren der politischen Oekonomie. Er selbst ist eil 
praktischer Mann, der zwar nicht immer bedenkt, was er außerhalb 
des Geschäfts sagt, aber stets weiß, was er im Geschäft tut. 
Sehen wir näher zu. Der Tageswert der Arbeitskraft betrug 
3 Shilling, weil in ihr selbst ein halber Arbeitstag vergegenständ 
licht ist, das heißt weil die täglich zur Produktion der Arbeitskral' 
nötigen Lebensmittel einen halben Arbeitstag kosten. Aber die ver 
gangene Arbeit, die in der Arbeitskraft steckt, und die lebendig® 
Arbeit, die sie leisten kann, ihre täglichen Erhaltungskosten und ihre 
tägliche Verausgabung, sind zwei ganz verschiedene Größen. Die 
erstere bestimmt ihren Tauschwert, die andere bildet ihren G“ 
brauchswert. Daß ein halber Arbeitstag, nötig, um ihn währen‘ 
24 Stunden am Leben zu erhalten, hindert/den Arbeiter keinesweg* 
einen ganzen Tag zu arbeiten. Der Wert der Arbeitskraft und ihr‘ 
Verwertung im Arbeitsprozeß sind also zwei verschiedene Größer 
Diese Wertdifferenz hatte der Kapitalist im Auge, als er die Arbeit® 
kraft kaufte. Ihre nützliche Eigenschaft, Garn oder Stiefel # 
machen, war nur eine unerläßliche Bedingung, weil Arbeit in nüf% 
licher Form verausgabt werden muß, um Wert zu bilden. Was abe! 
entschied, war der besondere Gebrauchswert dieser Ware, Quell‘ 
von Wert zu sein und von mehr Wert als sie selbst hat. Dies ist def 
besondere Dienst, den der Kapitalist von ihr erwartet. Und & 
verfährt dabei den ewigen Gesetzen des Warenaustausches gemäß 
In der Tat, der Verkäufer der Arbeitskraft, wie der Verkäufer jed# 
andern Ware, realisiert ihren Tauschwert und veräußert ihren G* 
brauchswert. Er kann den einen nicht erhalten, ohne den ander! 
wegzugeben. Der Gebrauchswert der Arbeitskraft, die Arbeit selb® 
gehört ebensowenig ihrem Verkäufer, wie der Gebrauchswert d# 
verkauften Oels dem Oelhändler. Der Geldbesitzer hat den Tage* 
wert der Arbeitskraft gezahlt; ihm gehört daher ihr Gebraud 
während des Tages, die tagelange Arbeit. Der Umstand, daß di 
tägliche Erhaltung der Arbeitskraft nur einen halben Arbeitst# 
kostet, obgleich die Arbeitskraft einen ganzen Tag wirken, arbeit® 
kann, daß daher der Wert, den ihr Gebrauch während eines Tag® 
schafft, doppelt so groß ist als ihr eigener Tageswert, ist ein b% 
sonderes Glück für den Käufer, aber durchaus kein Unrecht geg® 
den Verkäufer.
	        
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