89
Dritter Abschnitl
arbeit, gleich Null, so erhalten wir eine Minimalschranke, nämlich de!
Teil des Tages, den der Arbeiter notwendig zu seiner Selbsterhal
tung arbeiten muß. Auf Grundlage der kapitalistischen Produktions
weise kann die notwendige Arbeit aber immer nur einen Tel
seines Arbeitstages bilden, der Arbeitstag sich also nie auf die‘
Minimum verkürzen. Dagegen besitzt der Arbeitstag eine Maximal
schranke. Er ist über eine gewisse Grenze hinaus nicht verlänger‘
bar. Diese Maximalschranke ist doppelt bestimmt. Einmal durch
die physische Schranke der Arbeitskraft. Ein Mensch kann währen‘
des natürlichen Tages von 24 Stunden nur ein bestimmtes Quantuf
Lebenskraft verausgaben. So kann ein Pferd tagaus, tagein nu
8 Stunden arbeiten. Während eines Teiles des Tages muß die Kraf
ruhen, schlafen, während eines andern Teiles hat der Mensch ander®
physische Bedürfnisse zu befriedigen, sich zu nähren, reinige»
kleiden usw. Außer dieser rein physischen Schranke stößt die Ver
längerung des Arbeitstages auf moralische Schranken. Der Arbeiter
braucht Zeit zur Befriedigung geistiger und sozialer Bedürfniss®
deren Umfang und Zahl durch den allgemeinen. Kulturzustand b®
stimmt sind. Die Variation des Arbeitstages: bewegt sich dabel
innerhalb physischer und sozialer Schranken. Beide Schranken sind
aber sehr elastischer Natur und erlauben den größten Spielraum
So finden wir Arbeitstage von 8, 10, 12, 14, 16, 18 Stunden, also vo?
ler verschiedensten Länge.
Der Kapitalist hat die Arbeitskraft zu ihrem Tageswert gekauft
Ihm gehört ihr Gebrauchswert während eines Arbeitstages. Er ha!
also das Recht erlangt, den Arbeiter während eines Tages für sic
arbeiten zu lassen. Aber was ist ein Arbeitstag ?®® Jedenfalß
weniger als ein natürlicher Lebenstag. Um wieviel? Der Kapitalis
hat seine eigene Ansicht über dies ultima Thule [diese äußerst®
Grenze], die notwendige Schranke des Arbeitstages. Als Kapitalis
ist er nur personifiziertes Kapital. Seine Seele ist die Kapitalseel®
Das Kapital hat aber einen einzigen Lebenstrieb, den Trieb, sich 79
verwerten, Mehrwert zu schaffen, mit seinem konstanten Teil, de
Produktionsmitteln, die größtmögliche Masse Mehrarbeit einzt
saugen.” Das Kapital ist verstorbene Arbeit, die sich nur vampi”
mäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit, und um so mel
lebt, je mehr sie davon einsaugt. Die Zeit, während deren d#
Arbeiter arbeitet, ist die Zeit, während deren der Kapitalist die vo
%6 Diese Frage ist unendlich wichtiger als die berühmte Frage Sn
Robert Peels an die Birminghamer Handelskammer: „Was ist ein Pful
(Sterling) ?“ eine Frage, die nur gestellt werden konnte, weil Peel über &
Natur des Geldes ebenso unklar war als die »„Jttle shilling men“ [kleine
Schillingleute] von Birmingham. al
37 „Ps ist die Aufgabe des Kapitalisten, mit dem verausgabten Kapit
die größtmöglichste Summe Arbeit herauszuschlagen.“ (J. G. Courcellt
Seneuil: „Traite th&orique et pratique des entreprises industrielles. 28me 6
Paris 1857“, p. 63.)