Object: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

— 230 — 
realen Ideen und manche Beiträge zur Kritik der Zustände 
vorfinden. Wäre es nicht unser ganz bestimmter Begriff vom 
Socialismus, was die ältern Erscheinungen ahzuweisen nöthigtc, 
so würde jedenfalls der Hinblick auf den Mangel an realem 
Ernst genügend sein, um die blossen Imaginationsspielo als un 
zurechnungsfähig erkennen zu lassen. Der Socialismus unserer 
Epoche ist eine viel zu ernste Angelegenheit, als dass man ihn 
mit blossen Befriedigungen der Einbildungskraft auf eine Linie 
stellen dürfte. W^as ihm selbst an solchen Decorationon zur 
Seite gegangen ist, darf keinen Grund abgeben, zu den Cari 
caturen, die sich ihm zugesellten und sein erstes Auftreten ver 
unstalteten, auch noch diejenigen Fictionen hinzuzufügen, welche 
der aufgeregte Vorstellungstrieb der frühem Jahrhunderte der 
neuern Zeit zu Tage gefördert hat. Am wenigsten können 
aber die Gährungsphänomeno des kirchlichen Reformationszcit- 
alters mit ihren unmittelbaren Voraussetzungen und Folgen 
darauf Anspruch machen, in der hier fraglichen Beziehung be 
rücksichtigt zu werden. Der ernstere Socialismus beginnt erst 
mit dem Stadium, in welchem die socialwirthschaftlichen Theo 
rien dem Bereich der religiösen Ideen den Gedanken einer 
selbständigen Ordnung entgegenstcllen. Andernfalls würden wir 
ja auch genöthigt sein, auf das entstehende Christenthum und 
dessen communistische Grundsätze und Verhaltungsarten zu 
rückzugreifen. Indessen wird es genügen, in dieser Hinsicht 
bei Gelegenheit der Erinnerung an die entsprechenden Secten 
der Gegenwart die erforderliche kritische Grenzlinie zu ziehen. 
Hienach werden wir uns also nicht im Mindesten auf die 
Utopia eines Thomas Morus oder auf die Oceana eines Har 
rington einlassen. Schon ein blosser Rückblick auf solche 
Staatsdichtungon oder romanhafte Decorationen politischer Ge 
dankenspiele würde zu unserm Thema zu ungleichartig aus- 
fallen. Wir werden im Gegenthoil sogar innerhalb der Er 
scheinungsgruppe, die wir uns nach natürlichen Grundsätzen 
und Gesichtspunkten für den eigentlichen Socialismus abgrenzen 
mussten, dahin streben, möglichst bald den festen Boden der 
unentstellten Wirklichkeit zu gewinnen und diejenigen Rich 
tungen der Theorien darzulegen, in denen sich der Fortschritt 
zu den gesunden, lebensfähigen und das gegenwärtige Dasein 
auch wirklich tief bewegenden Einsichten bekundet hat. 
5. Wer wie ich von dem Satze ausgeht, dass die politi-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.