Full text: Deutschlands chemische Industrie

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die Schiessbaum wolle, namentlich in der Tropentem 
peratur, eine beständige Neigung zu langsamer innerer 
Zersetzung besitzt, die je nach dem verwendeten Ma 
terial und der angewandten Herstellungsmethode ver 
schieden ist, so spielen die Mittel zur Bekämpfung und 
Einschränkung dieser Tendenz, die sog. Stabilisatoren, 
für die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit des Pulvers eine 
grosse Rolle. Es hat den Anschein, dass dieser Frage 
nicht überall die unerlässliche Sorgfalt gewidmet worden 
ist, denn die Unglücksfälle der französischen Panzer 
schiffe „Jena“ und „Liberte“ sind aller Wahrscheinlich 
keit nach auf die Vernachlässigung dieser Frage zurück 
zuführen, um deren Lösung sich der deutsche Spreng 
stoffchemiker W. Will in der Zentralstelle für wissen 
schaftlich-technische Untersuchungen zu Neubabelsberg, 
einem von den vereinigten deutschen Sprengstofffabriken 
geschaffenen Forschungsinstitut, grosse Verdienste er 
worben hat. Man wird dabei an einen Ausspruch des 
Fürsten Bismarck erinnert, der im Jahre 1889 über 
die staatserhaltende Rolle der Chemiker sagte, dass sie 
es seien, die in letzter Richtung über Krieg und Frieden 
entscheiden und z. B. bei schlechter Herstellung des 
Pulvers und anderer Ausrüstungsgegenstände des 
Gegners denselben unter Umständen zwängen, das 
Schwert in der Scheide zu lassen.*) 
Eine andere Klasse von brisanten Sprengstoffen sind 
die hochnitrierten Benzolkohlenwasserstoffe. Die Pikrin 
säure, ein dreifach nitriertes Phenol, wurde im Jahre 
1771 von dem Erfinder der zweihalsigen Flasche 
P. Woulfe in London bei der Behandlung von Indigo 
mit Salpetersäure beobachtet. 1881 wurde sie, nach- 
*) Ztschr. ang. Chem. 1913, 26, wirtschaftl. Th. S. 166.
	        
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