Contents: Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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betrieb mit seinen produktiven Ergebnissen der Nachfrage nicht mehr genügen 
und so entschloß man sich zum rein bergmännischen Abbau. Zur Anwendung 
gelangte der Pfeilerbau; int oberen Teil des Lagers wurden mittels Schieß 
arbeit rechtwinklig aufeinanderstehende Strecken aufgeführt, die mit ihrer Firste 
Anschluß an dem Dach des Salzlagers hatten. Die Strecken wurden 6,4 Fuß 
hoch und 12,8 Fuß breit gehalten. Die aus dem Liegenden gebildeten Sicher 
heitspfeiler hatten einen Umfang von 12,8 Fuß im Quadrat. Die Hereinnahme 
des Salzes erfolgte strossenweisc bis zur Sohle des Lagers. Es wurden hiernach 
drei Viertel des Lagers im Abbau gewonnen, während ein Viertel zur Siche 
rung des Hangenden in der Grube verblieb. .Das abgebaute Salz wurde so 
gleich in der Grube auf rein und unrein geschieden, letzteres außerdem unmittel 
bar aufgelöst und als gesättigte Sole zu Tage gefördert. Die Arbeitsleistung 
eines Häuers auf der Strecke bei achtstündiger Schicht ergab um das Jahr.1856 
zwanzig Zentner Salz, wobei die Schießarbeit 8 / 4 Pfund Pulver erforderte. 
Im Strossenabbau dagegen stieg die Arbeitsleistung des Häuers reichlich um das 
Doppelte bei gleichem Pulververbrauch. Die Häuer standen im Gedinge und 
erzielten damals einen Schichtlohn von durchschnittlich 16 Sgr. Die Kosten für 
Pulver gingen zu Lasten des Häuers, dagegen wurde ihm das Gezähe und Ge 
leuchte kostenlos von der Grube geliefert. Zu jener Zeit stellte sich der Anteil 
des Häuerlohnes an den Produktionskosten auf durchschnittlich 6 Pf. pro Ztr. 
Salz. Man wußte jedoch bald diese Gewinnungskosten noch zu erniedrigen, 
indem man sich des Abschlitzverfahrens mittels Wassers bediente. Zu diesem 
Zweck wurden die Strossen nicht mehr aus dem Ganzen weggeschossen, sondern 
man schlitzte sie vorher an den Stößen der stehenbleibenden Sicherheitspfeiler mit 
Wasser ab. Ueber das auf dem Steinsalzbergwerk Wilhelmsglück bei Schwäbisch- 
Hall in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts befolgte Abschlitzver 
fahren ist folgendes zu sagen. Um dem Auflösungswasser auf der Strosse eine 
Bahn zu schaffen, ivurde in der ganzen Strossenhvhe ein Schlitz von etwa 1 
Zoll Weite und Tiefe mit der Keilhaue hergestellt. In diesen Schlitz leitete 
man nun mittels einer leicht beweglichen Rinne, die aus einer Röhrenleitung 
gespeist wurde, Süßwasser, das sich in der Stärke eines Strohhalmes am oberen 
Ende des Schlitzes in diesen ergoß. Die Rinne wurde nun langsam von der 
Front der Strosse in dem Maße zurückgezogen, als sich der Wasserfaden in das 
Salz einfraß. Auf diese Weise wurde der Salzstoß zur Auflösung gebracht. 
Die von dem Auflösungswasser bewirkte Schlitzbildung zeigte bei der eben ge 
kennzeichneten Technik die Eigentümlichkeit, daß der obere Teil der Strosse we 
sentlich schneller als der untere Teil aufgelöst wurde. Es war daher notwen 
dig, daß man das Auflösungswasser von Zeit zu Zeit von dem oberen Teil der 
Strosse zurückzog, um es unmittelbar auf die unteren, stehen gebliebenen Teile 
zu leiten. Für diesen Fall bediente man sich einer Lotschnur, wodurch man das 
Wasser auf eine ganz bestimmte Stelle zu leiten vermochte, außerdem erzielte 
man hierdurch vollständig lotrechte Schlitze. Da jede Schlitzrinne im Durchschnitt 
21 Fuß Höhe besaß, so ergab sich pro Stunde 1 Kubikfuß Wasserverbrauch, 
welche Wassermenge anderseits 0,6 Quadratfuß Schlitzfläche herstellte. Die Be 
dienung der Schlitzvorrichtnngen war eine einfache und ivar ein Mann imstande, 
in 12-ständiger Schicht 12 Schlitzriunen zu bedienen. Zu jener Zeit wurde auf 
„Wilhelmsglück" das, Abschlitzen sämtlicher zum Abbau bestimmten Strossen von 
zwei Mann besorgt. Diese lösten sich nach 12-stündiger Schicht gegenseitig ab.
	        
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