Full text: Russlands Bankerott

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mit Stoff für ihre Unterhaltungen ausgerüstet 
sein. War die Entrevue politischer Natur, 
oder sind die kaiserlichen Vettern, menschlichem 
Sehnsuchtdrange folgend, zueinander geeilt? 
Hat Nikolai oder Wilhelm die Anregung zur 
Konferenz gegeben? Diesen beiden Hauptfragen 
und ihren zahlreichen Unterfragen ist zentnerweise 
Druckerschwärze geopfert worden. Sommersonnen 
glut trieb die Phantasie zum Siedepunkt: Selbst 
ein norwegisch-schwedisches Bündnis unter dem 
Protektorat Deutschlands und Rußlands wurde 
uns beschert, und auch die Kandidatur eines 
Hohenzollernprinzen für den norwegischen 
Königsthron kam aufs Tapet. Obwohl der 
gesunde Menschenverstand uns sagen sollte, daß 
ein skandinavisches Bündnis sich nur gegen 
Rußland richten und ein Hohenzollernkandidat 
als Nachfolger der Bernadottes leicht ebenso 
zum casus belli werden könnte wie die spanische 
Thronfolgefrage anno 1870. Zum casus belli 
gegen England. 
Freilich, das gerade würde genügen, um 
einem solchen Plan in deutschen Gauen ge- 
Gärung nirgend Unterstützung zu schaffen. Denn gegen 
gegen England @ n g( an k gß r t’§ bei uns. Und die Konstatierung 
dieser Tatsache ist eigentlich das einzige wirklich 
wichtige Ergebnis 'der umfangreichen Preß- 
diskussionen' der letzten Tage. Ein deutsch- 
sranzösisch-russisches Bündnis gegen England ist 
ein Traum, der in weiten Volksschichten ge 
träumt und nicht bloß von den Organen der 
politischen Reaktion zum Ausdruck gebracht 
wird, Nein, auch liberale Organe, deren In 
timität mit der Kanzlei des gefürsteten Kanzlers 
notorisch ist, predigen den gleichen Text. Denn 
,vas anders bedeutet es, 'wenn das Berliner- 
Tageblatt eine finanzielle Entente zur Bezahlimg 
der russischen Kriegskosten ankündigt unter der 
Garantie des Friedenszustandes in Europa. 
Diese Zusammenstellung ist sehr ergötzlich. An 
scheinend soll der Eindruck erweckt werden, als 
ob Frankreich und Deutschland ihr Geld ein 
bringen, Rußland dagegen die Konzession des
	        
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