WANDERUNGSVERLATJF UND GETROFFENE MASSNAHMEN. 105
der Vertriebenen wollte in der Nähe seiner bisherigen
Heimat bleiben, die Hoffnung nicht aufgebend, eines Tages
wieder dorthin zurückkehren zu können. Andere wiederum
hatten den Wunsch, trotzdem sie der Abstammung nach
Norddeutsche waren, sich in Süddeutschland niederzulassen,
nachdem sie sich in vieljährigem Aufenthalt in Elsaß-
Lothringen dem süddeutschen Wesen angepaßt hatten. Die
Hotels in den badischen Städten bis herunter zu den klein
sten Gasthöfen auf dem Lande, füllten sich mit Flücht
lingen, das badische Eote Kreuz, in erster Linie die ba
dische Gefangenenfürsorge, nahm sich der Mittelllosen an.
a) DIE VORÜBERGEHENDE FÜRSORGE: DIB ÜBERNAHME
DER VERTRIEBENEN, IHRE WEITERLEITUNG UND VER
TEILUNG AUF DIE VERSCHIEDENEN DEUTSCHEN LÄNDER.
Der Strom der Flüchtlinge schwoll von Tag zu Tag
an, und die Stauung in Baden mußte gefährliche Folgen
zeitigen, wenn nicht rasche Abhilfe geschah. Die Über
nahme der Vertriebenen, vor allem in Kehl, war ebenso
unzureichend wie die geringen Geldmittel, die Baden für
diese Zwecke vom Eeich erhalten hatte. Eine einheitlich
geregelte staatliche Übernahme der Flüchtlinge war un
umgängliche Notwendigkeit, um die Weiterleitung der
Flüchtlinge ins Innere Deutschlands mit möglichster Ver
teilung auf ganz Deutschland durchführen zu können.
Im Januar 1919 erfolgte, wie wir bereits sahen, die Ein-
richtung der Eeichszentralstelle für die Übernahme der
vertriebenen Elsaß-Lothringer in Freiburg mit fünf Über
nahmestellen an den Eheinbrücken. Ende Januar war
diese Übernahme im Gang, und durch Landesübernahme
stellen, vom Eoten Kreuz in den größeren Bundesstaaten
errichtet, wurde das Übernahmesystem entsprechend aus
gebaut. Für die Weiterleitung der Flüchtlinge mußten be
stimmte Eichtlinien befolgt werden. Schematisches Vor
gehen war nicht möglich, man mußte den einzelnen Flücht
ling, wenn er ein bestimmtes Ziel hatte, dorthin reisen
lassen, da anzunehmen war, daß er dort am ehesten ein
Unterkommen finden würde, und von diesem Gesichts
punkt, die Flüchtlinge dahin zu verbringen, wo sie Woh