Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Vierter Abschnitt 
der Teilung der Arbeit innerhalb einer Werkstatt näherrückt. Plato® 
Republik, soweit in ihr die Teilung der Arbeit als das gestaltend® 
Prinzip des Staates entwickelt wird, ist nur atheniensische Jdeali 
sierung des ägyptischen Kastenwesens, wie Aegypten als ind 
strielles Musterland auch andern seiner Zeitgenossen gilt, zum B# 
spiel dem Isokrates,®* und diese Bedeutung selbst noch für die 
Griechen der römischen Kaiserzeit behielt.* 
Während der eigentlichen Manufakturperiode, das heißt der 
Periode, worin die Manufaktur die herrschende Form der kapit@ 
listischen Produktionsweise, stößt die volle Ausführung ihrer eigen? 
Tendenzen auf vielseitige Hindernisse. Obgleich sie, wie wir sahe% 
neben der hierarchischen Gliederung der Arbeiter eine einfach 
Scheidung zwischen geschickten und ungeschickten Arbeitern schaff 
bleibt die Zahl der letzteren durch den überwiegenden Einfluß der 
ersteren sehr beschränkt. Obgleich sie die Sonderoperationen de 
verschiedenen Grad von Reife, Kraft und Entwicklung ihrer leb®” 
digen Arbeitsorgane anpaßt und daher zu produktiver Ausbeuturß 
von Weibern und Kindern drängt, scheitert diese Tendenz im groß® 
und ganzen an den Gewohnheiten und dem Widerstand der män 
lichen Arbeiter. Obgleich die Zersetzung der handwerksmäßig” 
Tätigkeit die Bildungskosten und daher den Wert der Arbeit” 
senkt, bleibt für schwierigere Detailarbeit eine längere Erlernung“ 
zeit nötig und wird auch da, wo sie vom Ueberfluß, eifersüchtig A 
den Arbeitern aufrecht erhalten. Wir finden zum Beispiel in Ef 
land die Laws of apprenticeship [Gesetze über das Lehrlingswese®) 
mit ihrer siebenjährigen Lernzeit bis zum Ende der Manufakt!® 
periode in Vollkraft und erst von der großen Industrie über K 
Haufen geworfen. Da das Handwerksgeschick die Grundlage d u 
Manufaktur bleibt und der in ihr funktionierende Gesamtmechanist gt 
kein von den Arbeitern selbst unabhängiges objektives Knocheng®", 
besitzt, ringt das Kapital beständig mit der Unbotmäßigkeit der Ur 
beiter, „Die Schwäche der menschlichen Natur“, ruft Freund | w 
aus, „ist so groß, daß der Arbeiter, je geschickter, desto eigenwillif t 
und schwieriger zu behandeln wird, und folglich dem Gesan 
mechanismus durch seine rappelköpfigen Launen schweren Schad 
82 „Er (Busiris) teilte alle in besondere Kasten ... befahl, FM 
immer die Nämlichen die gleichen Geschäfte treiben sollten, weil er wu af 
daß die, welche mit ihren Beschäftigungen wechseln, in keinem Gesch“ 
gründlich werden; die aber, welche beständig bei denselben Beschäftigu”! Be 
bleiben, jedes aufs Vollendetste zustande bringen. Wirklich werde? 
auch finden, daß sie in Beziehung auf Künste und Gewerbe ihre Ri’, 
mehr übertroffen haben als sonst der Meister den Stümper und 19 ig® 
ziehung auf die Einrichtung, wodurch sie die Königsherrschaft und ne 
Staatsverfassung erhalten, so vortrefflich sind, daß die berühmtesten Ph und 
sophen, welche darüber zu sprechen unternehmen, die Staatsverfa®® 
Aegyptens vor andern lobten.“ (Isocrates „Busiris‘, ce. 8.) 
88 Vgl. Diodorus Siculus.
	        
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