Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Dreizehntes Kapitel. 
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wir sahen, daß die Masse des Mehrwertes durch zwei Faktoren 
bestimmt ist, die Rate des Mehrwertes und die Anzahl der gleich- 
zeitig beschäftigten Arbeiter, Bei gegebener Länge des Arbeitstages 
wird die Rate des Mehrwertes bestimmt durch das Verhältnis, worin 
der Arbeitstag in notwendige Arbeit und Mehrarbeit zerfällt. Die 
Anzahl der gleichzeitig beschäftigten Arbeiter hängt ihrerseits ab 
von dem Verhältnis des variablen Kapitalteils zum konstanten. Es 
Ist nun klar, daß der Maschinenbetrieb, wie er immer durch Steige- 
Tung der Produktivkraft der Arbeit die Mehrarbeit auf Kosten der 
Notwendigen Arbeit ausdehne, dies Resultat nur hervorbringt, indem 
er die Anzahl der von einem gegebenen Kapital beschäftigten Ar- 
beiter vermindert. Er verwandelt einen Teil des Kapitals, der früher 
Variabel war, das heißt sich in lebendige Arbeitskraft umsetzte, in 
Maschinerie, also in konstantes Kapital, das keinen Mehrwert produ- 
Zert. Es ist unmöglich, zum Beispiel aus 2 Arbeitern so viel Mehr- 
Wert auszupressen wie aus 24. Wenn jeder der 24 Arbeiter auf 
12 Stunden nur 1 Stunde Mehrarbeit liefert, liefern sie zusammen 
4% Stunden Mehrarbeit, während die Gesamtarbeit der 2 Arbeiter 
Mr 24 Stunden beträgt. Es liegt also in der Anwendung der 
Maschinerie zur Produktion von Mehrwert ein immanenter Wider- 
$Pruch, indem sie von den beiden Faktoren des Mehrwertes, den ein 
Kapital von gegebener Größe liefert, den einen Faktor, die Rate des 
Mehrwertes, nur dadurch vergrößert, daß sie den andern Faktor, 
N Arbeiterzahl, verkleinert. Dieser immanente Widerspruch tritt 
or, sobald mit der Verallgemeinerung der Maschinerie in einem 
üdustriezweige der Wert der maschinenmäßig produzierten Ware 
tum regelnden gesellschaftlichen Wert aller Waren derselben Art 
Dr und es ist dieser Widerspruch, der wiederum das Kapital, ohne 
iS es sich dessen bewußt wäre,!*® zur gewaltsamsten Verlängerung 
8 Arbeitstages treibt, um die Abnahme in der verhältnismäßigen 
Anzahl der ausgebeuteten Arbeiter durch Zunahme nicht nur der 
®lativen, sondern auch der absoluten Mehrarbeit zu kompensieren. 
set Wenn also die kapitalistische Anwendung der Maschinerie einer- 
" neue mächtige Motive zur maßlosen Verlängerung des Arbeits- 
äges schafft und die Arbeitsweise selbst wie den Charakter des 
Wellschaftlichen Arbeitskörpers in einer Art umwälzt, die den 
je: derstand gegen diese Tendenz bricht, produziert sie anderseits, 
DS durch Einstellung dem Kapital früher unzugänglicher Schichten 
vn Arbeiterklasse, teils durch Freisetzung der von der Maschine 
rdrängten Arbeiter, eine überflüssige Arbeiterhevölkerung,*®* die 
%3 Warum dieser immanente Widerspruch dem einzelnen Kapitalisten 
nd daher auch der in seinen Anschauungen befangenen politischen Oeko- 
ae Nicht zum Bewußtsein kommt, wird man aus den ersten Abschnitten 
8 dritten Buches ersehen. . | . 
M. 154 Es ist eins der großen Verdienste Ricardos und Sismondis, die 
ASchinerie nicht nur als Produktionsmittel von Waren, sondern auch von 
"Tedundant population‘ [überschüssiger Bevölkerung] begriffen zu haben.
	        
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