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und hatte auch sonst Bedenken gegen seine Vorschläge 1 ). Er
schrieb daher an Karl V. zurück, dass er Paumgartners Sohn
Johann Georg, der in Geldgeschäften bei ihm gewesen sei,
aufgetragen habe, mit seinem Vater zu sprechen und ihm des
Königs Bedenken vorzutragen.
Im November 1540 weilte Hans Paumgartner selbst am
Wiener Hof, wo er mit dem Sekretär des päpstlichen Nuntius
in Wien, Confallonero, ein interessantes Gespräch führte, über
das dieser seinem Herrn berichtet 2 ). Die Unterhaltung drehte
sich um die Religionsgespräche, wobei Paumgartner die An
sicht äusserte, man müsse besonders darauf sehen, dass Me-
lanchthon dabei ausgeschaltet werde, da dieser der Unnach
giebigste von allen Gelehrten sei. Er sei auch schuld gewesen,
dass in Augsburg (1530) und in Regensburg (1532) keine Eini
gung zustande kam — eine recht eigenartige Ansicht über den
Reformator, den man sonst als den Versöhnlichsten anzusehen
gewohnt ist. Es zeigt von einem geringen Verständnis für die
religiösen Probleme, welche die Zeit bewegten, ist aber cha
rakteristisch für den Kaufmann, wenn er bald darauf (am
26. Januar 1541) zu Confallonero die Ansicht äusserte, man
solle versuchen, Melanchthon und Buzer durch Bestechung zu
gewinnen 3 ). Paumgartner betonte seine Ergebenheit gegen
den römischen Stuhl und bot seine Dienste an, wenn man die
genannten Reformatoren durch Geldgeschenke zur Ruhe und
Unterwerfung bringen wolle. Die Vermittlung könnte am
besten sein Verwandter Rehlinger übernehmen, auf den Me
lanchthon grosse Stücke halte. Der Vertreter des Papstes zeigte
sich jedoch charaktervoller als der Kaufmann und wies mit
vornehmer Entrüstung dieses Projekt als der Kurie unwürdig
zurück. Jene seien, so entgegnete er dem Kaufmann, schon
so lange hartnäckig auf ihrer Meinung bestanden, dass eine
Bekehrung wohl nicht zu erwarten sei. Und wenn sie wirklich
in den Schoss der Kirche zurückkehrten, so müssten sie es um
der Wahrheit und ihres Seelenheils willen tun, sonst seien sie
charakterlose Menschen, mit denen der Papst und seine Diener
*) Es ist die schon oben S. 71 angeführte Stelle: Nuntiaturberichte
a. a. O. S. 328.
2 ) Nuntiaturberichte a. a. O. S. 203 ff. (6. Bd.).
3 ) Ebenda S. 227. Von anderen Bestechungsversuchen, die na
türlich auch keinen Erfolg hatten, erzählt Roth Bd. II S. 39 u. 164.