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ändert einfach das Wesen der Religion und macht sie aus
einem Kampfesmittel zu einem Muͤtel der Unterdrückung.
Und das sehen wir auch in unseren Tagen
Ergebung, Demut und gelassenes Dulden, diesen Teil
der Lehre Jesu haben, seitdem das Christenlum ihre Reli—
gion wurde, die herrschenden Klassen, die für sich selbst das
Genießen in Anspruch nehmen, den Unterdrückten einge⸗
prägt und gegen die Unterdrückten angewendet. Als die
besitzenden Klassen selbst revolutionär waͤren, wie die Kalo—
nisten und andere Protestanten, predigten sie sich selbst nicht
das Dulden, sondern den Kampf. Jetzt aber, wo ei⸗
Klasse im Gegensa zu ihnen emporkommt, die nicht dul—
den, sondern kämpfen will bis sie siegt, da wird die alle
Religion des Duldens von allen, auch den früher revolutio—
nären Sekten wieder gebraucht, um wenigstens einen Teil
der emporkommenden Klassen vom Kampfe abzuhallen
Es nimmt uns also nicht wunder, daß durch die ber—
einte Wirkung der noch übriggebliebenen alten Produf—
tionsverhältnisse, der Tradition und der Klassenherrschaft
eine alte Religion noch lange ihr Dasein und ihre Kraft
behält. Daß sie aber dann kein reiches mneres Leben
mehr hat, sonden erher einem versteinerten Ueberrest ähnelt,
kann uns ebenfalls nicht verwundern, da wir jeßt wissen,
daß auch die Religion der Gesellschaft entsprungen is
Erste Bemerkung.
In diesem Gebiete der Religion sehen wir jetzt noch
eine allgemeine Erscheinung sehr deutlich, die wir noch nicht
erwähnt haben. Wenn eine neue Form in irgendeinem
Gebiete des Denkens entsteht, dann schwindet die alte nicht
ganz, sie geht in die neue auf, diese hat etwas vom Alten
in sich So behielt die proteftantische Religion ein Suͤc
des Katholizismus, die Lehre Spinoza's ein Suuck des
Protestantismus, die liberale Lehre etwas von Spinoza,
der Unglaube der Arbeiter etwas von der Lehre der
beralen. Dies ist auf jedem Gebiete des Denkeus der Fall.
Im Recht, in der Politik, der Kunst, der Philosophie, der
Wissenschaft. Gleichwie an erster Stelle auch die Techmt
ihre alte Formen in neuen Erfindungen gebraucht. Der
erste durch Dampf getriebene Webstuhl zum Beispiel war
dem alten Handwerkzeug noch sehr ähnlich. Wie scharf die
Ideen einander gegenüber zu stehen scheinen, in ihnen ist
doch immer ein stufenweiser Uebergang von der einen zur
anderen.
Ja, man kann dies sogar noch tiefer sehen: Jede neue
Gesellschaftsform, jedes neue Rechl, jede neue Politik und