Erstes Kapitel.
besitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft
wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durch-
schnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit
braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, er-
heischt um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesell-
schaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaft-
lichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit dar-
zustellen. Nach der Einführung des Dampfwebstuhles in England
zum Beispiel genügte vielleicht halb soviel Arbeit als vorher, um
ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der eng-
lische Handweber brauchte zu dieser Verwandlung in der Tat nach
wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen
Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Ar-
beitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines früheren Wertes.
Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit
oder die zur Herstellung eines Gebrauchswertes gesellschaftlich not-
wendige Arbeitszeit, welche seine Wertgröße bestimmt.* Die ein-
zelne Ware gilt hier überhaupt als Durchschnittsexemplar ihrer
Art.?° Waren, worin gleich große Arbeitsquanta enthalten sind, oder
die in derselben Arbeitszeit hergestellt werden können, haben daher
dieselbe Wertgröße. Der Wert einer Ware verhält sich zum Wert
jeder andern Ware, wie die zur Produktion der einen notwendigen
Arbeitszeit zu der für die Produktion der andern notwendigen ÄAr-
beitszeit. „Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Maße fest-
geronnener Arbeitszeit.“1
Die Wertgröße einer Ware bliebe daher konstant, beständig
gleich, wäre die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit konstant.
Letztere wechselt aber mit jedem Wechsel in der Produktivkrait der
Arbeit. Die Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Um-
stände bestimmt, unter andern durch den Durchschnitisgrad des
Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft
und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche
® Note zur 2. Ausgabe, „The value of them (the necessaries of life) when
they are exchanged ihe one for another, is regulated by the quantity of
labour necessarily required, and commonly taken in producing them.“ „Der
Wert von Gebrauchsgegenständen, sobald sie gegeneinander umgetauscht
werden, ist bestimmt durch das Quantum der zu ihrer Produktion notwendig
?rheischten und gewöhnlich angewandten Arbeit.“ („Some Thoughts on the
Interest of Money in general, and particularly in the Public Funds etc.
London“, p. 36.) Diese merkwürdige anonyme Schrift des vorigen Jahr-
hunderts trägt kein Datum. Es geht jedoch aus ihrem Inhalt hervor, daß
sie unter Georg Il., etwa 1739 oder 1740, erschienen ist. .
1 „Alle Produkte derselben Art bilden eigentlich nur eine Masse, deren
Preis im allgemeinen bestimmt wird und ohne Rücksicht auf die Umstände
des Einzelfalles,“ (Le Trosne: „De l’Interet Social“, p. 898.)
u Karl Marx: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S. 6. [Ausgabe
Stuttgart 1897, S, 5.]