Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

328 
Siebter Abschnitt 
worin er nur ein Triebrad ist. Die Entwicklung der kapita 
listischen Produktion macht eine fortwährende Steigerung des ir 
einem industriellen Unternehmen angelegten Kapitals zur Nof 
wendigkeit, und die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapita 
listen die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweist 
als äußere Zwangsgesetze auf. Sie erlaubt ihm nicht, daß er seil 
Kapital erhält, ohne es fortwährend auszudehnen, und ausdehne* 
kann er es nur durch fortgesetzte Akkumulation. 
Soweit daher sein Tun und Lassen nur Funktion des in ihm 
mit Willen und Bewußtsein begabten Kapitals, gilt ihm sein eigene} 
Privatkonsum als ein Raub an der Akkumulation seines Kapitals 
wie in der italienischen Buchhaltung Privatausgaben auf der Debet 
seite des Kapitalisten gegen das Kapital figurieren. Die Akkumul? 
tion ist Eroberung der Welt des gesellschaftlichen Reichtums. Sit 
dehnt mit der Masse des ausgebeuteten Menschenmaterials zugleich 
die direkte und indirekte Herrschaft des Kapitalisten aus.?4 
54 In der altmodischen, wenn auch stets erneuten, Form des Kapit# 
listen, im Wucherer, veranschaulicht Luther sehr gut die Herrschsucht a* 
Element des Bereicherungstriebes. „Die Heiden haben können aus der Ver 
aunfft rechnen, dass ein Wucherer, sey ein vierfaltiger Dieb und Mörder 
Wir Christen aber halten sie in solchen ehren, das wir sie schier anbete 
umb ihres Geldes willen. ... Wer einem andern seine Narung aussauge 
raubet und stilet, der thut eben so grossen Mord (so viel an jm ligt) als del 
einen Hungers sterbet und zu Grunde verterbet. Solches thut aber € 
Wucherer, und sitzet die weil auf seinem Stuel sicher, so er billicher .hang* 
solt am Galgen, und von soviel Raben gefressen werden, als er gülden ge 
stolen hatte, wo anders so viel fleisches an im were, das so viel Raben sic 
drein stücken und teilen kündten. Dieweil hanget man die kleinen Dieb® 
- ++ Kleine Diebe ligen in Stöcken gefangen, große Diebe gehn in gold und 
seiden prangen. ... Also ist auch kein grösser Menschenfeind auff Erd® 
(nach dem Teuffel) denn ein Geitshals und Wucherer, denn er will üb“ 
alle menschen Gott sein. Türcken, Krieger, Tyrannen sind auch böse Mer 
schen, doch müssen sie lassen die Leute leben und bekennen, dass sie BÖSE 
und Feinde sind. Und können, ja müssen wol zu weilen sich über etlich‘ 
erbarmen. Aber ein Wucherer und Geitswanst, der wilt das alle Welt * 
müsste in Hunger und Durst, Trauer und Not verderben, so viel an jm “ 
auff das ers alles allein möcht haben, und jedermann von im, als 
einem Gott empfahen und ewiglich sein Leibeigener sein. . .. Schaub®® 
güldne Kette, Ringe tragen, das maul wischen, sich für einen theuren, fron 
men Mann lassen ansehen und rhümen. .., Wucher ist ein gros und un 
geheur monstrum, wie ein Beerwolff, der alles wüstet, mehr den in 
Cacus, Gerion oder Antäus, Und schmückt sich doch und wil fromm FE 
das man nicht sehen sol, wo die Ochsen, die er rücklings in sein Loch nn 
hinkommen. Aber Hercules sol der Ochsen und der Gefangenen Gescht 
hören und den Cacum suchen auch in Klippen und Felsen, die Ochsen W! er 
lösen, von dem Bösewicht. Denn Cacus heißt ein Bösewicht, der ein roman 
Wucherer ist, stilet, raubet, frisst alles. Und wils doch nicht getan habe 
und sol ja niemand finden, weil die Ochsen rücklings in sein Loch go20bn 
schein und fusstapffen geben, als seien sie herausgelassen. Also wil
	        
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