Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Zweiundzwanzigstes Kapitel. 
529 
_ ‚Aber die Erbsünde wirkt überall. Mit der Entwicklung der 
tapitalistischen Produktionsweise, der Akkumulation, und des Reich- 
ums hört der Kapitalist auf, bloße Menschwerdung des Kapitals zu 
ein. Er fühlt ein „menschliches Rühren“ für seinen eigenen Adam 
ind wird so gebildet, die Schwärmerei für Kasteiung als Vorurteil 
les altmodischen Schatzbildners zu belächeln. Während der klassi- 
he Kapitalist den individuellen Konsum als Sünde gegen seine 
“unktion und „Enthaltung‘“ von der Akkumulation brandmarkt, ist 
ler modernisierte Kapitalist imstande, die Akkumulation als „Ent- 
agung‘“ seines Genußtriebes aufzufassen. „Zwei Seelen wohnen, 
ch! in seiner Brust, die eine will sich von der andern trennen!“ 
In den historischen Anfängen der kapitalistischen Produktions- 
Weise — und jeder kapitalistische Emporkömmling macht dies 
Ustorische Stadium individuell durch — herrschen Bereicherungs- 
Tieb und Geiz als absolute Leidenschaften vor. Aber der Fort- 
“hritt der kapitalistischen Produktion schafft nicht nur eine Welt 
/on Genüssen. Er öffnet mit der Spekulation und dem Kreditwesen 
äusend Quellen plötzlicher Bereicherung. Auf einer gewissen Ent- 
Vicklungshöhe wird ein konventioneller Grad von Verschwendung, 
lie zugleich Schaustellung des Reichtums und daher Kreditmittel 
St, sogar zu einer Geschäftsnotwendigkeit des „unglücklichen“ 
apitalisten. Der Luxus geht in die Repräsentationskosten des 
Kapitals ein. Ohnehin bereichert sich der Kapitalist nicht, gleich 
lem Schatzbildner, im Verhältnis seiner persönlichen Arbeit und 
Clnes persönlichen Nichtkonsums, sondern im Maß, worin er fremde 
\beitskraft aussaugt und dem Arbeiter Entsagung aller Lebens- 
nüsse aufzwingt. Obgleich daher die Verschwendung des Kapita- 
qen nie den offenherzigen Charakter der Verschwendung des 
‚allen Feudalherrn besitzt, in ihrem Hintergrunde vielmehr stets 
vhmutzigster Geiz und ängstlichste Berechnung lauern, wächst den- 
och seine Verschwendung mit seiner Akkumulation, ohne daß die 
“We die andere zu beabbruchen braucht. Damit entwickelt sich 
Seichzeitig in der Hochbrust des Kapitalindividuums ein faustischer 
“Onflikt zwischen Akkumulations- und Genußtrieb. 
D „Die Industrie von Manchester“, heißt es in einer Schrift, die 
N Aikin 1795 veröffentlichte, „kann in vier Perioden geteilt werden. 
Let ersten waren die Fabrikanten gezwungen, hart für ihren 
In ©Nsunterhalt zu arbeiten.“ Sie bereicherten sich ‚besonders 
in Bestehlung der Eltern, die ihnen Jungen als Apprentices (Lehr- 
LE zuwiesen und dafür schwer blechen ‚mußten, während die 
Ange rden. erseits waren die Durch- 
a 69 ausgehungert wu 
ie quörer auch die Welt effen, als nütze er und gebe der welt ochsen, so er 
Nörden zu sich allein reisst und frisst. ... Und so man die Straßenräuber, 
chen und Befehder, redert und ‚köpffet, wie viel mehr solt man alle 
her redern und edern ... verjagen, verfluchen und köpffen.“ (Martin 
540.4) „An die Pfarrherrn, wider den Wucher zu predigen. Wittenberg 
Das Kanital 1
	        
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