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Erfordernisse der Selbsthilfe: Schulung in der Selbstverwaltung,
genossenschaftlichen Geist und Kapital, sodas; jene sich nicht nur
zu produktiven Verbrauchsgenossenschaften erweitern lassen, sondern
auch den Lohnarbeitern die Gründung von eigentlichen Produktiv
genossenschaften ermöglichen und diese bilden sa den Kern des
ganzen Systems, sie sind das entschiedenste und sicherste Mittel
zur Lösung der Arbeiterfrage, ihre Vermehrung wird allmühlig
einen vollständigen Umschwung auf dem Gebiete der Production
herbeiführen, insofern sie die Arbeiter zugleich zu Unternehmern
machen und diesen nunmehr den vollen, sonst den einzelnen Unter
nehmern, resp. den Actionären zufallenden Gcschäftsgewinn allein
zu Gute kommen lassen; freilich fallen ihnen auch alle etwaigen,
aus Geschäftsstockungen und ungünstigen Conjuncture entstehende
Verluste allein zu, diese lassen sich jedoch von einer zahlreichen
Gesammtheit weit leichter tragen und bei ernstlichem Willen und
Sparsamkeit eher vcrtvinden, als von einem einzelnen Unternehmer
oder einer Acticngesellschaft.
Während beit Arbeiter die Abhängigkeit von fremdem Kapital,
von der Conjunctur und von seinem Brodherrn, ferner der nur zu
oft ungenügende Verdienst und der Zweifel, ob etwaige Ersparnisse
ihm später auch wirklich zu gute kommen und zur Begründung
einer unabhängigen Stellung ausreichen werden, nur allzu leicht
geneigt macht, den ihm bei günstigen Conjuncturen zufließenden
reichlicheren Verdienst gleichsam als Ersah für ausgestandene Ent
behrungen in materiellen Genüssen leichtfertig zu vergeuden, fühlt
sich der Arbeiter als Mitglied einer Produktivgenossenschaft unab
hängiger, er unterliegt nicht mehr so leicht der Versuchung zum
Verprassen; er wird besonnener und haushälterischer; er lernt den
großen Werth des Eigenthums kennen und schätzen und er findet
Freude an dessen Wachsthum, nicht nur weil dieses ihm und seiner
Familie ein reichlicheres Maß von materiellen Genüssen gewährt,
sondern auch, weil er sich itttb seine Kinder zu einer höheren Bil
dung erheben kann.