Full text: Wirtschaft als Leben

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Methodologische Glossen, XVII. g g I 
mir Wirtschaft als eine der drei Teilgestaltungen des Zusammenlebens 
erscheint, eben als die Gestaltung menschlichen Zusammenlebens im 
Geiste dauernden Einklangs zwischen Bedarf und Deckung. Hier aber, 
wo diese kürzende Formel für den Tatbestand, der als Vorwurf unserer 
Wissenschaft erscheint, doch nur für eine „Definition des Grundbegriffes 
Wirtschaft“ genommen würde, fällt diese ganze Erläuterung auf die 
Nase. 
XVII. 
Offenbar ist es der „güterselige“ Charakter der heutigen Theorie, j 
was sie den übrigen Fachwissenschaften vom Zusammenleben ab 
spenstig macht und so ihre unsoziologische Haltung verschuldet. Frei 
willig liefert sich das fachliche Denken diesen Einseitigkeiten nicht 
aus; auch seine technischen Allüren machen es allein nicht. Das 
Denken beugt sich da wirklich einem Zwang. Aber er ist nicht im 
eigenen Wesen des Denkens begründet, wie das Märlein vom Zwang 
zur „isolierenden Abstraktion“ faselt, sondern einfach in einer Notlage 
dieses Denkens hinsichtlich seiner Problematik 1 Das ist unschwer ab 
zuleiten. Wenn sich zu diesem verschrobenen Bild des Wirtschafts 
lebens, zur „Güterlehre“, aus der ganzen Fülle der Zusammenhänge 
nur jene schürzen, die zwischen den Gütermengen hin und her laufen 
und immer erst von ihnen zu den Menschen als ihren bloßen „Be 
handlern“, so waltet da offenbar ein bestimmtes „Prinzip der Auslese . 
Nun entscheidet über die Auslese dessen, was vom Standpunkt der 
nationalökonomischen Theorie aus für „wesentlich“ gilt, für sie gleic sam 
in den geistigen Blickpunkt rückt, die „Problembezogenheit des Er 
fahrbaren. Alles nämlich, was sich in der Beziehung auf die fachlichen 
Probleme aus dem Erfahrbaren aufgreifen laßt, ihrer Losung zuliebe, 
das schließt sich zum Ertrag jener „Auslese“ zusammen. Aber wie 
steht es mit diesen Problemen in der heutigen Theorie. 
Da stoßen wir auf den Urgrund aller Verschrobenheiten dieser 
Theorie: sie kennt zwar ihrer Probleme eine Menge; nur just von ihren 
grundlegendsten Problemen, die gleich über die erste Einste ung es 
theoretischen Denkens ein für allemal entscheiden, weiß sie so gut wie 
nichts. Da wird von einem „Wertproblem“, von einem Guterproblem , 
von einem „Kapitalproblem“ gesprochen und so ort. le me 
jedoch, als in diesen Worten selber liegt und sich bei ihrer Umstellung 
je zu einer Frage - z. B. „was ist Wert?“ - entladet, weiß unsere 
Theorie von ihren grundlegenden Problemen doch nicht. Darin beruht
	        
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