Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Siebter Abschnitt. 
Die Entvölkerung hat viel Land außer Bebauung geworfen, das 
Bodenprodukt sehr vermindert!®® und, trotz des erweiterten Gebietes 
der Viehzucht, in einigen ihrer Zweige absolute Abnahme erzeugt, 
in andern kaum nennenswerten, durch beständige Rückschritte 
unterbrochenen Fortschritt. Dennoch stiegen mit dem Fall der 
Volksmasse fortwährend Bodenrenten und Pachtprofite, obgleich 
letztere nicht so konstant wie die ersteren. Der Grund ist leicht 
verständlich. Einerseits verwandelte sich mit der Zusammenwerfung 
der Pachtungen und der Verwandlung von Ackerland in Viehweide 
ein größerer Teil des Gesamtprodukts in Mehrprodukt. Das Mehr- 
produkt wuchs, obgleich das Gesamtprodukt, wovon es einen Bruch- 
teil bildet, abnahm. Anderseits stieg der Geldwert dieses Mehr- 
produkts noch rascher als seine Masse, infolge der seit den letzten 
20 und ganz besonders seit den letzten 10 Jahren steigenden eng: 
lischen Marktpreise für Fleisch, Wolle usw. 
Zersplitterte Produktionsmittel, die den Produzenten selbst als 
Beschäftigungs- und Lebensmittel dienen, ohne sich durch Ein- 
verleibung fremder Arbeit zu verwerten, sind ebensowenig Kapital, 
als das von seinem eigenen Produzenten verzehrte Produkt Ware 
ist. Wenn mit der Volksmasse auch die Masse der in der Agri- 
kultur angewandten Produktionsmittel abnahm, so nahm die Masse 
des in ihr angewandten Kapitals zu, weil ein Teil früher zersplitterter 
Produktionsmittel in Kapital verwandelt ward. 
Das außerhalb der Agrikultur, in Industrie und Handel angelegte 
Gesamtkapital Irlands akkumulierte während der letzten zwei Jahr- 
zehnte langsam und unter beständigen großen Schwankungen. Um 
so rascher entwickelte sich dagegen die Zentralisation seiner indi- 
viduellen Bestandteile. Endlich, wie gering immerhin sein absolutes 
Wachstum, relativ, im Verhältnis zur zusammengeschmolzenen Volks- 
zahl, war es angeschwollen. 
Hier entrollt sich also, unter unsern Augen, auf großer Stufen- 
leiter, ein Prozeß, wie die orthodoxe Oekonomie ihn nicht schönel 
wünschen konnte zur Bewähr ihres Dogmas, wonach das Elend aus 
absoluter Uebervölkerung entspringt und das Gleichgewicht durch 
Entvölkerung wieder hergestellt wird. Es ist dies ein ganz anderes 
wichtiges Experiment als die von den Malthusianern so sehr verherr- 
lichte Pest in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Nebenbei bemerkt. 
War es an sich schulmeisterlich naiv, den Produktions- und ent 
sprechenden Bevölkerungsverhältnissen des 19. Jahrhunderts den 
Maßstab des 14. Jahrhunderts anzulegen, so übersah diese Naivitäl 
noch obendrein, daß, wenn jener Pest und der sie begleitenden Be- 
völkerungsabnahme diesseits des Kanals, in England, Befreiung und 
'50 Wenn das Produkt auch verhältnismäßig pro Acre abnimmt, vergesse 
man nicht, daß England seit 1/2 Jahrhunderten den Boden von Irland in- 
direkt exportiert hat, ohne seinen Bebauern auch nur die Mittel zum Ersatz 
der Bodenbestandteile zu gönnen.
	        
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