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Siebter Abschnitt.
in ganz anderm Grade als zuvor von der Konkurrenz des kapita-
listisch betriebenen Ackerbaues erdrückt und liefern daher der
Klasse der Lohnarbeiter beständig neue Rekruten.
Die einzige große Industrie Irlands, die Leinenfabrikation.
braucht verhältnismäßig wenig erwachsene Männer und beschäftigt
überhaupt, trotz ihrer Ausdehnung seit der Verteuerung der Baum-
wolle 1861 bis 1866, nur einen verhältnismäßig unbedeutenden Teil
der Bevölkerung. Gleich jeder andern großen Industrie produziert sie
durch stete Schwankungen in ihrer eigenen Sphäre beständig eine
relative Uebervölkerung, selbst bei absolutem Wachstum der von
ihr absorbierten Menschenmasse. Das Elend des Landvolkes bildet
die Grundlage riesenhafter Hemdenfabriken usw., deren Arbeiter-
armee zum größten Teil über das flache Land zerstreut ist. Wir
finden hier das früher geschilderte System der Hausarbeit wieder,
welches in Unterzahlung und Ueberarbeit seine methodischen Mittel
der „Ueberzähligmachung“ besitzt. Endlich, obschon die Entvölke-
rung nicht so zerstörende Folgen hat, wie in einem Lande entwickel-
ter kapitalistischer Produktion, vollzieht sie sich nicht ohne beständi-
gen Rückschlag auf den inneren Markt. Die Auswanderung läßt nicht
nur leere Häuser zurück, sondern auch ruinierte Hausvermieter.
Die Lücke, welche die Auswanderung hier schafft, verengert nich!
nur die lokale Arbeitsnachfrage, sondern auch die Einkünfte der
Kleinkrämer, Handwerker, kleinen Gewerbsleute überhaupt. Daher
der Rückgang der Einkommen zwischen 60 und 100 Pifd. Sterl. in
Tabelle E.
Eine durchsichtige Darstellung der Lage der ländlichen Tage-
löhner in Irland findet sich in den Berichten der irischen Armen-
verwaltungs-Inspektoren (1870). Beamte einer Regierung, die
sich nur durch die Bajonette und den bald offenen, bald verhüllten
Belagerungszustand hält, müssen sie alle die Rücksichten der Sprache
beobachten, die ihre Kollegen in England verachten; trotzdem aber
erlauben sie ihrer Regierung nicht, sich in Illusionen zu wiegen.
Nach ihnen hat sich die immer noch sehr niedrige Lohnrate auf
dem Lande in den letzten 20 Jahren doch um 50 bis 60 pZt. erhöht
und steht jetzt im Durchschnitt auf 6 bis 9 Shilling die Woche. Hinter
dieser scheinbaren Erhöhung aber verbirgt sich ein wirkliches Fallen
des Lohnes, denn sie gleicht nicht einmal den inzwischen erfolgten
Preisaufschlag der notwendigen Lebensmittel aus; Beweis folgender
Auszug aus den amtlichen Rechnungen eines irischen Workhouse:
Wochendurchschnitt der Unterhaltungskosten pro Kopf.
Jahr Nahrung | Kleidung \
29. September 1848 bis 29. September 1849, ] 15h. 34 P. 3 PP.
29. CI 1868 „ 29. ” 1869..] 2 „» 74» 6
1864 „Reports from the Poor Law Inspectors on the wages of Agricultural
Labourers in Dublin, 1870.“ Vgl. auch „Agricultural Labourers (Ireland)
Return etc. dated 8th March 1861“. London 1862.
' Zusammen
1Sh.6}P.
18 „» 15»