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Siebter Abschnitt.
suchen. Dort warf man sie wie Unrat in Dachkammern, Löcher,
Keller und in die Schlupfwinkel der schlechtesten Viertel. Tausende
irischer Familien, die sich, selbst nach dem Zeugnis von in nationalen
Vorurteilen ‚befangenen Engländern, durch ihre seltene Anhänglich-
keit an den heimischen Herd, durch ihre sorglose Heiterkeit und
durch häusliche Sittenreinheit auszeichneten, fanden sich so plötzlich
verpflanzt in die Treibhäuser des Lasters. Die Männer müssen
jetzt Arbeit suchen bei benachbarten Pächtern und werden nur aut
den Tag gemietet, also in der unsichersten Lohnform; dabei „haben
sie jetzt weite Wege zur Pachtung und zurück zu machen, oft naß
wie die Ratten, und andern Unbilden ausgesetzt, die häufig Ent-
kräftung, Krankheit und damit Elend herbeiführen“.187°
„Die Städte hatten Jahr um Jahr alles aufzunehmen, was als
Ueberschuß von Arbeitern in den Landdistrikten galt‘“,1274 und dann
wundert man sich noch, „daß in den Städten und Dörfern Ueberschuß
und auf dem Lande Mangel oder drohender Mangel an Arbeitern
herrscht!“17e Die Wahrheit ist, daß dieser Mangel nur fühlbar wird
„bei der Ernte oder im Frühjahr, zu Zeiten dringlicher Ackerbau-
arbeiten; während der andern Zeiten des Jahres bleiben viele
Hände müßig“;1®" daß „nach dem Ausnehmen der Kartoffeln, der
Haupternte, vom Oktober bis zum Beginn des nächsten Frühlings...
es kaum Beschäftigung für sie gibt“, und daß sie auch während
der beschäftigten Zeit „häufig ganze Tage verlieren und Arbeits-
unterbrechungen aller Art ausgesetzt sind“.1sth
Diese Folgen der agrikolen Revolution, das heißt der Verwand-
lung von Ackerland in Viehweide, der Anwendung von Maschinerie,
der strengsten Arbeitsersparung usw. — werden noch verschärft
durch die Mustergrundherren, solche, die, statt ihre Renten im Aus-
lande zu verzehren, so gnädig sind, in Irland auf ihren Gütern zu
wohnen. Damit das Gesetz von Nachfrage und Angebot in keiner
Weise verletzt werde, beziehen diese Herren „Jetzt fast ihren ganzen
Arbeitsbedarf aus ihren kleinen Pächtern, die so gezwungen sind,
für ihre Grundherren zu schanzen, wann immer es verlangt wird, für
einen vielfach geringeren Lohn als der der gewöhnlichen Tage-
löhner, und das ohne alle Rücksicht auf die Unbequemlichkeiten und
Verluste, die dem Pächter daraus entstehen, daß er zur kritischen
Zeit der Saat oder der Ernte seine eigenen Felder vernachlässigen
muß.“ 1871
Die Unsicherheit und Unregelmäßigkeit der Beschäftigung, die
häufige Wiederkehr und lange Dauer der Arbeitsstockungen, alle
1870 Ebenda, S, 25
1870 Ebenda, S. 27,
‘876 Ebenda, S. 26.
ısıf Ebenda, S. 1.
1878 Ebenda, S, 32,
ı87h Ebenda, S, 25.
ı87i Ebenda, S. 30.