56 III. Umsturz d. Ordnung durch die Soc.-Drmokratie.
„und werden so lange kämpfen, bis dieselben zertrümmert
„sind."
Diese Zertrümmerung soll durch das Proletariat voll
zogen werden. Dazu wird es gegenwärtig organisirt und
instruirt. Denn „endlich werden Noth, Elend und Ausbeu-
„tung und die Erkenntniß der Klafsenlage des arbeitenden
„Volkes die Verbrüderung der gesammten ländlichen mit den
„städtischen Arbeitern bewirken, und dem Massendrnck des
„gesammten Proletariats wird dann die heutige Gesell-
„schaft weichen müssen" (R. Loc.- Demokrat ISTI, 57).
Oder: „Die Masse des Elends ist viel zu groß, »m durch
„Palliativmittel beseitigt zu werden. Nur eine völlige Um-
„Wälzung der heutigen Gesellschaft kann und wird ein für
„allemal durch den Socialismus das Masseuelend besiegen"
„(R. Soc.-Demokrat 1872, 100).
Dies führt uns auf eine andere Ursache der socialistischen
Zerstörungstendenz unserer heutigen Gesellschaftsform.
Alles Elend, das in der Welt ist, leitet der Socialismus
ausschließlich und ausnahmslos ans den vorhandenen socialen
Zuständen ab. Nirgends bringt er die jeweilige sittliche Be
schaffenheit des Menschen mit in Anrechnung. Eine nüch
terne, vorurlheitsfreie und tendenziose Beobachtung verschließt
sich nicht der Wahrnehmung, daß gar manche Nothstände
zumal in der niederen Volkstlasse in krankhaft entwickelten
socialen Verhältnissen ihre Ursache haben. Sie verkennt aber
auch nicht, welch bedeutende Widerstandskraft in der sittlichen
Energie liegt, und wie dieselbe vor gänzlichem Versinken und
Versumpfen bewahren kann, wenn auch die socialen Verhält
nisse mancherlei Nöthen herbeigeführt haben. Am allerwe
nigsten übersieht ein durch kein Vorurtheil getrübter Blick, was
für eine reiche Quelle zahlreicher Nöthen und namenlosen
Elends die sittliche Verkümmerung des Menschen ist, ohne