654
Siebter Abschnitt.
die letzte Spur von Gemeindeeigentum der Ackerbauer,. Wir sehen
hier ab von den rein ökonomischen Triebfedern der Agrikultur-
revolution. Wir fragen nach ihren gewaltsamen Hebeln.
Unter der Restauration [nach der Wiedereinsetzung] der Stuarts
setzten die Grundeigentümer eine Usurpation [einen Raub] gesetzlich
durch, die sich überall auf dem Kontinent auch ohne gesetzliche Weit-
läufigkeit vollzog. Sie hoben die Feudalverfassung des Bodens auf,
das heißt sie schüttelten seine Leistungspflichten an den Staat ab,
„entischädigten“ den Staat durch Steuern auf die Bauernschaft und
übrige Volksmasse, beanspruchten modernes Privateigentum an
Gütern, worauf sie nur Feudaltitel besaßen, und zwangen schließlich
den Landarbeitern Englands jene Niederlassungsgesetze (laws of
settlement) auf, die aus ihnen ebenso ein Zubehör der Gemeinde
machten, wie des Tataren Boris Godunof Edikt die russischen Bauern
in ein Zubehör ihrer Scholle verwandelte.
Die „glorious Revolution“ (glorreiche Revolution) brachte mit
dem Oranier Wilhelm 111? die grundherrlichen und kapitalistischen
Plusmacher zur Herrschaft. Sie weihten die neue Aera ein, indem
sie den bisher nur bescheiden betriebenen Diebstahl an den Staats-
gütern auf kolossaler Stufenleiter ausübten. Diese Ländereien wur-
den verschenkt, zu Spottpreisen verkauft, oder auch durch direkte
Usurpation an Privatgüter angegliedert.?!1 Alles das geschah ohne
die geringste Beobachtung gesetzlicher Formen. Das so betrügerisch
angeeignete Staatsgut samt der Beute aus dem Kirchenraub, soweit
sie während der republikanischen Revolution nicht abhanden kam,
bildet die Grundlage der heutigen fürstlichen Besitztümer der eng-
die in der Tat die Unabhängigkeit unseres Volkes aufrechterhielten, und es
lut mir leid, ihre Grundstücke num in der Hand monopolisierender Lords zu
sehen, verpachtet an kleine Farmer, deren Pachtrecht an solche Bedingungen
geknüpft ist, daß sie kaum besser daran sind als Knechte, die bei jeder
unheilvollen Gelegenheit der Entlassung gewärtig sein müssen.“
200 Ueber die Privatmoral dieses bürgerlichen Helden unter anderm:
„Die bedeutenden Landzuweisungen an Lady Orkney in Irland im Jahre
1695 sind ein öffentliches Beispiel für des Königs Zuneigung und den Ein-
fiuß der Dame, . .. Man nimmt an, die wertvollen Dienste der Lady Orkney
hätten bestanden in — foeda labiorum ministeria [schmutzigen Liebes-
diensten].“ (In der Sloane Manuscript Collection, auf dem britischen Museum,
Nr. 4224. Das Manuskript ist betitelt: „The character and behaviour of King
William, Sunderland etc. as represented in Original Letters to the Duke of
Shrewsbury from Somers, Halifax, Oxford, Secretary Vernon ete.“ Es ist
voller Kuriosa.)
201 „Die illegale Veräußerung der Krongüter, teils durch Verkauf und
teils durch Schenkung, bildet ein skandalöses Kapitel in der englischen Ge-
schichte , , , eine gigantische Prellerei der Nation (gigantic fraud on the
nation).“ (F. W., Newman: „Lectures on Political Economy. London 1851“,
pP. 129, 130.) — Hier fügt Engels den Hinweis ein: „Wie die heutigen eng-
lischen Großgrundbesitzer zu ihrem Besitz kamen, im einzelnen nachzusehen
in „Our old Nobility. By Noblesse Oblige. London 1879.“ KEK.