Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

858 
Siebter Abschnitt. 
In der Tat wirkten Usurpation des Gemeindelandes und die sie 
begleitende Revolution der Agrikultur so akut auf die Ackerbau- 
arbeiter, daß, nach Eden selbst, zwischen 1765 und 1780 ihr Lohn 
anfing unter das Minimum zu fallen und durch behördliche Armen- 
unterstützung ergänzt zu werden. Ihr Arbeitslohn, sagt er, „genügte 
nur noch eben für die absoluten Lebensbedürfnisse“. 
Hören wir noch einen Augenblick einen Verteidiger der Ein- 
hegungen und Gegner des Dr. Price. „Es ist kein richtiger Schluß, 
daß Entvölkerung vorhanden, weil man Leute nicht länger ihre 
Arbeit im offenen Feld verschwenden sieht. ... Wenn nach Ver- 
wandlung kleiner Bauern in Leute, die für andere arbeiten müssen, 
mehr Arbeit flüssig gemacht wird, so ist das ja ein Vorteil, den 
die Nation (wozu die Verwandelten natürlich nicht gehören) wün- 
schen muß. ... Das Produkt wird größer sein, wenn ihre vereinigte 
Arbeit auf einer Pachtung angewandt wird: so wird Mehrprodukt 
für die Manufakturen gebildet, und dadurch werden Manufakturen, 
eine der Goldgruben dieser Nation, im Verhältnis zum produzierten 
Kornquantum vermehrt.“ 212 
Die stoische Seelenruhe, womit der politische Oekonom frechste 
Schändung des „heiligen Rechtes des Eigentums“ und gröbste Gewalt- 
tat wider Personen betrachtet, sobald sie erheischt sind, um die 
Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise herzustellen, zeigt 
uns unter andern der überdem noch torystisch gefärbte und „philan- 
thropische“ Sir F. M. Eden. Die ganze Reihe von Raubtaten, Greueln 
und Volksdrangsalen, welche die gewaltsame Volksexpropriation 
vom letzten Drittel des 15, bis zum Ende des 18. Jahrhunderts be- 
gleiten, treibt ihn nur zur „tröstlichen“ Schlußreflexion: „Das rich- 
tige (due) Verhältnis zwischen ‘Acker- und Viehland mußte her- 
gestellt werden. Noch im ganzen 14. und größten Teile des 15. Jahr- 
hunderts kam 1 Acre Viehweide auf 2, 3 und selbst 4 Acres. Acker- 
land. In der Mitte des 16. Jahrhunderts verwandelte sich die Pro- 
portion in 2 Acres. Viehland auf 2, später von 2 Acres Viehweide 
auf 1 Acre Ackerland, bis endlich das richtige Verhältnis von 3 Acres 
Viehland auf 1 Acre Ackerland herauskam.“ 
ein, so waren sie zu vollkommener Untätigkeit verdammt, weil die Reichen 
im Besitze des Bodens waren, und statt freier Leute Sklaven zum Ackerbau 
brauchten.“ (Appian: „Römische Bürgerkriege“, 1. Buch, 1. Kap., 7.) Diese 
Stelle bezieht sich auf die Zeit vor dem licinischen Gesetze. Der Kriegs“ 
dienst, der den Ruin der römischen Plebejer so sehr beschleunigte, war 
Auch ein Hauptmittel, wodurch Karl der Große die Verwandlung freier 
deutscher Bauern in Hörige und Leibeigene treibhausmäßig förderte. 
212 „An Inquiry into the Connection between the present Prices of 
Provisions ete.“, p. 124, 129. Aehnlich, aber mit entgegengesetzter TendenZ’ 
„Die Arbeiter werden von ihren Cottages vertrieben und in die Städte gejagt 
um dort Arbeit zu suchen; — doch dadurch wird ein größerer Ueberschuß 
gewonnen, und so vermehrt sich das Kapital.“ („The Perils of the Nation 
2nd ed. London 1843“, p. XIV.)
	        
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