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Siebter Abschnitt.
habt ihr den neuen Wald von Glenfeshie und dort auf der andern
Seite den neuen Wald von Ardverikie. In derselben Linie habt ihr
den Black-Mount, eine ungeheure Wüste, neulich errichtet. Von Ost
zu West, von der Nachbarschaft von Aberdeen bis zu den Klippen
von Oban, habt ihr jetzt eine fortlaufende Waldlinie, während sich
in andern Teilen der Hochlande die neuen Wälder von Loch Archaig,
Glengarry, Glenmoriston usw. befinden. . . . Die Verwandlung ihres
Landes in Schafweide . . . trieb die Gälen auf unfruchtbareren
Boden. Jetzt fängt Rotwild an das Schaf zu ersetzen und treibt jene
in noch zermalmenderes Elend. ... Die Wildwaldungen und das
Volk können nicht nebeneinander existieren. Eins oder das andere
muß jedenfalls den Platz räumen. Laßt die Jagden in Zahl und
Umfang im nächsten Vierteljahrhundert wachsen wie im vergange-
nen, und ihr werdet keinen Gälen mehr auf seiner heimischen Erde
finden. Diese Bewegung unter,den Hochlandseigentümern ist teils
der Mode geschuldet, aristokratischem Kitzel, Jagdliebhaberei usw.,
teils aber betreiben sie den Wildhandel ausschließlich mit Hinblick
auf den Profit. Denn es ist Tatsache, daß ein Stück Bergland, in
Jagdung angelegt, in vielen Fällen ungleich profitabler ist denn als
Schaftrift. . .. Der Liebhaber, der ein Jagdrevier sucht, beschränkt
sein Angebot nur durch die Weite seiner Börse. .. . Leiden sind
über die Hochlande verhängt worden nicht minder grausam, als die
Politik normännischer Könige sie über England verhing. Rotwild
hat freieren Spielraum erhalten, während die Menschen in einen
engen und immer engeren Kreis gehetzt wurden. ... Eine Freiheit
des Volkes nach der andern ward ihm geraubt. . .. Und die Unter-
drückung wächst noch täglich. , Lichtung und Vertreibung des Volkes
werden von den Eigentümern als festes Prinzip verfolgt, als eine
agrikole Notwendigkeit, ganz wie Bäume und Gesträuch in den
Wildnissen Amerikas und Australiens weggefegt werden, und die
Operation geht ihren ruhigen, geschäftsmäßigen Gang.“ 220
220 Robert Somers: „Letters from the Highlands; or, the Famine of 1847.
London 1848“, p. 12—28 passim. Diese Briefe erschienen ursprünglich is
der „Times“. Die englischen Oekonomen erklärten natürlich die Hungersnot
der Gälen von 1847 aus ihrer — Uebervölkerung. Jedenfalls „drückten“
sie auf ihre Nahrungsmittel. — Das „Clearing of Estates‘“, oder, wie es iP
Deutschland hieß, „Bauernlegen‘“, machte sich hier besonders geltend nach
dem Dreißigjährigen Krieg und rief noch 1790 in Kursachsen Bauernaufstände
hervor. Es herrschte namentlich in Ostdeutschland. In den meisten Pro-
vinzen Preußens sicherte erst Friedrich II. den Bauern Eigentumsrecht
Nach der Eroberung Schlesiens zwang er die Grundherren zur Wieder-
herstellung der Hütten, Scheunen usw., zur Ausstattung der Bauerngüter mit
Vieh und Gerät, Er brauchte Soldaten für seine Armee und Steuerpflichtige
für seinen Staatsschatz. Welches angenehme‘ Leben übrigens der Bauer
unter Friedrichs Finanzunwesen und Regierungsmischmasch von Despotis-
mus, Bureaukratie und Feudalismus führte, mag man aus folgender Stelle
geines Bewunderers Mirabeau ersehen: „Der Flachs bildet einen der größten
Reichtümer des Landwirts in Norddeutschland. Unglücklicherweise für das