Full text: Grundzüge der Sozialpolitik

18. Kapitel. Die Privatbeamten. 
489 
kaufmännischer Vereine“ ein am 26. Januar 1890 gegründeter und die 
meisten Verbands vereine umfassender „Stellenvermittlungsbund kauf 
männischer Vereine“ gebildet, der aber unabhängig neben dem Verbände 
besteht. Nach den Ermittlungen von Schack (a. a. 0.) waren bei 12 
Vereinen zu verzeichnen im Kalenderjahr: 
Offene Stellen Bewerbungen Besetzte Stellen 
1900 .... 44870 54224 16491 
1901 .... 37 013 61 308 14524 
1902 .... 35 420 58 136 14 570 
und bei 13 weiteren Vereinen in dem am 31. März schließenden 
Jahr: 
1900/01 ... 7 732 9 028 2 SOS 
1901/02. . . 6 168 9 796 2 405 
Die umfangreichste Tätigkeit entwickelte der Verband deutscher 
Handlungsgehilfen in Leipzig, der Verein für Handlungskommis von 
1858 in Hamburg und der Kaufmännische Verein in Frankfurt a. M. 
Diese 3 Vereine stehen auch nach der im Reichsarbeitsblatt II. Jalirg. 
1904 Heft 1 vom Kaiserl. Statistischen Amt für das 1. Vierteljahr 1904 
veröffentlichten Statistik obenan. Die Statistik umfaßt 47 Vereine, 
ohne damit die Gesamtzahl der in Betracht kommenden Vereine er 
schöpfen zu wollen. Bei diesen Vereinen waren im 1. Vierteljahr zu 
erledigen 26 265 Bewerbungen für männliche und 3447 Bewerbungen 
für weibliche Personen; an offenen Stellen waren für jene 14 878, für 
diese 2825 vorhanden. 35% der Bewerbungen wurden zurück 
gezogen oder ohne Vermittlung der Vereine erledigt, 43% der offenen 
Stellen wurden auf gleiche Weise erledigt, 35% der offenen Stellen 
wurden durch Vermittlung der Vereine besetzt. Nur % der am letzten 
Tage des Vierteljahrs vorhandenen Bewerber männlichen und über 
die Hälfte der Bewerber weiblichen Geschlechts waren stellenlos. 
Zwei Fünftel jener und über % dieser waren in gekündigter, der 
Rest in ungekündigter Stellung. Daraus geht hervor, daß in dem 
besprochenen Zeitraum ein großer, bei den männlichen Bewerbern 
der weitaus größte Teil noch nicht stellenlos war. Ob man das als 
den regelmäßigen Zustand wird ansehen können, müssen spätere Er 
hebungen zeigen. Der beträchtliche Anteil der Bewerber, deren 
Stellung bereits gekündigt war, spricht dafür, daß — wie schon er 
wähnt — die bei den Privatbeamten häufige längere Kündigungsfrist 
gegen eine unerwartete und schnell eintretende Stellenlosigkeit einen 
gewissen Schutz gewährt und es ermöglicht, sich vor deren Eintritt 
um Ersatz für die gekündigte Stellung bemühen. 
Gleichwohl ist im In- und Auslande das Bestreben hervorgetreten, 
die wirtschaftlichen Nachteile der Stellenlosigkeit, die einem Teil der 
Privatbeamten droht und dadurch ihre Lage unsicher gestaltet, durch 
Versicherung abzuschwächen. Umfangreich sind indes die Leistungen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.