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Siebter Abschnitt,
Zur Zeit Mirabeaus, des Revolutionslöwen, hießen die großen
Manufakturen noch Manufactures reunies, zusammengeschlagene
Werkstätten, wie wir von zusammengeschlagenen Aeckern sprechen.
„Man sieht nur“, sagt Mirabeau, „die großen Manufakturen, wo
Hunderte von Menschen unter einem Direktor arbeiten, und die
man gewöhnlich vereinigte Manufakturen (manufactures reunies)
nennt. Diejenigen dagegen, wo eine sehr große Anzahl Arbeiter
zersplittert und jeder für seine eigene Rechnung arbeitet, werden
kaum eines Blickes gewürdigt. Man stellt sie ganz in den Hinter-
grund. Dies ist ein sehr großer Irrtum, denn sie allein bilden einen
wirklich wichtigen Bestandteil des Volksreichtums. ... Die ver-
einigte Fabrik (fabrique reunie) wird einen oder zwei Unternehmer
wunderbar bereichern, aber die Arbeiter sind nur besser oder
schlechter bezahlte Tagelöhner und nehmen in nichts am Wohlsein
des Unternehmers teil. In der getrennten Fabrik (fabrique separee)
dagegen wird niemand reich, aber eine Menge Arbeiter befindet
sich im Wohlstand. ... Die Zahl der fleißigen und wirtschaftlichen
Arbeiter wird wachsen; weil sie in weiser Lebensart, in Tätigkeit ein
Mittel erblicken, ihre Lage wesentlich zu verbessern, statt eine kleine
Lohnerhöhung zu gewinnen, die niemals ein wichtiger Gegenstand
für die Zukunft sein kann, sondern die Leute höchstens befähigt,
etwas besser von der Hand in den Mund zu leben. .Die getrennten
individuellen Manufakturen, meist mit kleiner Landwirtschaft ver-
bunden, sind die freien.“?** Wenn Mirabeau die zersplitterten Werk-
stätten auch für ökonomischer und produktiver hält als die „VET-
einigten“, und in: den letzteren bloß künstliche Treibhauspflanzen
unter der Pflege der Staatsregierungen sieht, erklärt sich das aus
dem damaligen Zustande eines großen Teiles der Manufakturen
auf dem europäischen Festland.
Die Ereignisse, die die Kleinbauern in Lohnarbeiter und ihre
Lebens- und Arbeitsmittel in sachliche Elemente des industriellen
Kapitals verwandeln, schaffen gleichzeitig diesem letzteren seinen
inneren Markt. Früher erzeugte und bearbeitete die Bauern»
familie die Lebensmittel und Rohstoffe, die sie nachher größten-
teils selbst verzehrte. Diese Rohstoffe und Lebensmittel sind
jetzt Waren geworden; der Bauer verkauft sie massenhaft, in den
Manufakturen findet er seinen Markt. Dafür verwandeln sich jetzt
Garn, Leinwand, grobe Wollenzeuge — Dinge, deren Rohstoffe sich
im Bereich jeder Bauernfamilie vorfanden und von ihr zum Selbst-
gebrauch versponnen und verwebt wurden — in Manufakturartikel,
deren Absatzmarkt gerade die Landdistrikte bilden. Die zahl-
reiche, zerstreute Kundschaft, bisher bedingt durch eine Menge
kleiner, für eigene Rechnung arbeitender Produzenten, konzentriert
sich jetzt zu einem großen, vom industriellen Kapital versorgten
238 Mirabeau: „De la Monarchie Prussienne. Londres 1788“, vol. IIL
p., 20—109 passim.