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Die Fabrik verwendet zum Antrieb der Maschinen meistens
durch Dampf erzeugte Elektrizität im Betrage von 300 P. S.,
daneben benützt sie etwa 100 PS elektrischer Kraft vom städ
tischen Elektrizitätswerk für einige Spezialmaschinen. Daß die
Fabrik gerade in München ihren Sitz hat, liegt nicht an den
Arbeitslöhnen, nicht an dem vorhandenen Arbeiterstamm. Die
Arbeitslöhne sind durch die über Deutschland verbreiteten Or
ganisationen fast überall gleich hohe. Die Fabrik arbeitet zu
dem mit Akkordlöhnen. Dadurch, daß sie einen Mindestsatz
von 60 Pfennig einsetzt, unter den ein Arbeiter bei Strafe der
Entlassung im Akkordlohn nicht sinken darf, sichert sie sich
die geschicktesten und fleißigsten Arbeiter bei einem Maximal
satz von 80 Pfennig pro Stunde. Das Fabrikunternehmen hat
den Ruf Münchens als Kunststadt tüchtig „ausgeschlachtet“
und hält sich auch einen eigenen Künstler, der immer die:
neueste Mode in seinen Ornamententwürfen berücksichtigen 1
muß.
Die Transportverhältnisse der Rohmaterialien haben auf
den Standort wohl einen Einfluß gehabt, denn der nahe baye
rische Wald lieferte das Rohholz der Fichte und aus der Bu
kowina bezog man die Eichenstämme. Die anderen Mate
rialien wie Fournierholz und Eisenbeschläge, Schrankstangen,
Schrauben kommen aus Hamburg und Rheinland bis Mannheim
per Schiff und werden hier auf die Bahn umgeladen. Aus dem
nahen Nürnberg bezieht man die nötigen Glasscheiben. Um
die teure Kohlenfracht nicht tragen zu müssen und um die
eigenen Abfälle zu verwerten, hat das Unternehmen eine Saug
anlage mit elektrischem Antrieb geschaffen. Hobelspäne und
Sägemehl werden durch mächtige Exhaustoren von den Ar
beitsmaschinen weg aus allen Teilen der Holzbearbeitungs
und Schreinereiwerkstätten angesaugt und entweder direkt in
die Feuerungen der Dampfkessel für Betriebs- und Heizungs
zwecke oder in eine Spänekammer geblasen. Mit diesen Ab
fällen und den aus der Schreinerei entstammenden Holz
stücken wird die ganze Kesselanlage geheizt. Sonst wird kein
Feuermaterial verwertet.
Am meisten hat die günstige Absatzmöglichkeit der Fertig
produkte in Bayern, die lediglich per Achse befördert werden,
fOtz, München als Industriestadt. g