Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

586 
Siebter Abschaitt. 
der Kindersklaverei für die Verwandlung des Manufakturbetriebes 
in den Fabrikbetrieb und die Herstellung des wahren Verhältnisses 
von Kapital und Arbeitskraft. 
Er sagt: „Es mag vielleicht die Erwägung des Publikums wert 
sein, ob irgendeine Industrie, die zu ihrer erfolgreichen Aus- 
führung Cottages und Workhouses von armen Kindern ausplündern 
muß, damit sie, truppweise sich ablösend, den größten Teil der 
Nacht durch abgerackert und der Ruhe beraubt werden; eine Indu- 
strie, die außerdem Haufen beiderlei Geschlechts, von verschiede- 
nen Altersstufen und Neigungen, so zusammenhudelt, daß die An- 
steckung des Beispiels zu Verworfenheit und Liederlichkeit führen 
muß —, ob solch eine Industrie die Summe des nationalen und 
individuellen Glückes vermehren kann ?“24 
„In Derbyshire, Nottinghamshire und besonders Lancashire“, 
sagt Fielden, „wurde die jüngst.erfundene Maschinerie angewandt 
in großen Fabriken, dicht bei Strömen, fähig das Wasserrad zu 
drehen. Tausende von Händen waren plötzlich erheischt an diesen 
Plätzen, fern von den Städten; und Lancashire namentlich, bis zu 
jener Zeit vergleichungsweise dünn bevölkert und unfruchtbar, be- 
durfte jetzt vor allem einer Bevölkerung. Die kleinen und flinken 
Finger waren vor allem gesucht. Sofort sprang die Gewohnheit auf, 
Lehrlinge (!) aus den verschiedenen Pfarrei-Workhouses von Lon- 
don, Birmingham und sonstwo zu beziehen. Viele, viele Tausende 
dieser kleinen hilflosen Wesen, vom 7. bis zum 13. oder 14. Jahre, 
wurden so nach dem Norden befördert. Es war die Gewohnheit für 
den Meister (das heißt den Kinderdieb), seine Lehrlinge zu kleiden, 
nähren und logieren in einem Lehrlingshaus nahe bei der Fabrik. 
Aufseher wurden bestellt, um ihre Arbeit zu überwachen. Es war 
das Interesse dieser Sklaventreiber, die Kinder aufs äußerste abzu- 
arbeiten, denn ihre Zahlung stand im Verhältnis zum Produkten- 
quantum, das aus dem Kind erpreßt werden konnte. Grausamkeit 
war natürliche Folge. ... In vielen Fabrikdistrikten, besonders 
Lancashires, wurden die herzzerreißendsten Torturen verübt an 
diesen harmlosen und freundlosen Wesen, die den Fabrikherren über- 
geben waren. Sie wurden zu Tode gehetzt durch ein Uebermaß an 
Arbeit ... sie wurden gepeitscht, gekettet und gefoltert mit dem 
ausgesuchtesten Raffinement von Grausamkeit; sie wurden in vielen 
Fällen zu Skeletten ausgehungert, während die Peitsche sie an der 
Arbeit hielt. ... Ja, in einigen Fällen wurden sie zum Selbstmord 
getrieben! . . . Die schönen und romantischen Täler von Derbyshire, 
Nottinghamshire und Lancashire, abgeschlossen vom öffentlichen 
Auge, wurden grause Einöden von Tortur und — oft von Mord! ..- 
Die Profite der Fabrikanten waren enorm. Das wetzte nur ihren 
Werwolfsheißhunger. Sie begannen die Praxis der Nachtarbeit, das 
heißt nachdem sie eine Gruppe Hände durch das Tagewerk erschöpft, 
245 Eden: „The State of the Poor“, b, IL ch. 1, p. 421.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.