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Siebter Abschaitt.
der Kindersklaverei für die Verwandlung des Manufakturbetriebes
in den Fabrikbetrieb und die Herstellung des wahren Verhältnisses
von Kapital und Arbeitskraft.
Er sagt: „Es mag vielleicht die Erwägung des Publikums wert
sein, ob irgendeine Industrie, die zu ihrer erfolgreichen Aus-
führung Cottages und Workhouses von armen Kindern ausplündern
muß, damit sie, truppweise sich ablösend, den größten Teil der
Nacht durch abgerackert und der Ruhe beraubt werden; eine Indu-
strie, die außerdem Haufen beiderlei Geschlechts, von verschiede-
nen Altersstufen und Neigungen, so zusammenhudelt, daß die An-
steckung des Beispiels zu Verworfenheit und Liederlichkeit führen
muß —, ob solch eine Industrie die Summe des nationalen und
individuellen Glückes vermehren kann ?“24
„In Derbyshire, Nottinghamshire und besonders Lancashire“,
sagt Fielden, „wurde die jüngst.erfundene Maschinerie angewandt
in großen Fabriken, dicht bei Strömen, fähig das Wasserrad zu
drehen. Tausende von Händen waren plötzlich erheischt an diesen
Plätzen, fern von den Städten; und Lancashire namentlich, bis zu
jener Zeit vergleichungsweise dünn bevölkert und unfruchtbar, be-
durfte jetzt vor allem einer Bevölkerung. Die kleinen und flinken
Finger waren vor allem gesucht. Sofort sprang die Gewohnheit auf,
Lehrlinge (!) aus den verschiedenen Pfarrei-Workhouses von Lon-
don, Birmingham und sonstwo zu beziehen. Viele, viele Tausende
dieser kleinen hilflosen Wesen, vom 7. bis zum 13. oder 14. Jahre,
wurden so nach dem Norden befördert. Es war die Gewohnheit für
den Meister (das heißt den Kinderdieb), seine Lehrlinge zu kleiden,
nähren und logieren in einem Lehrlingshaus nahe bei der Fabrik.
Aufseher wurden bestellt, um ihre Arbeit zu überwachen. Es war
das Interesse dieser Sklaventreiber, die Kinder aufs äußerste abzu-
arbeiten, denn ihre Zahlung stand im Verhältnis zum Produkten-
quantum, das aus dem Kind erpreßt werden konnte. Grausamkeit
war natürliche Folge. ... In vielen Fabrikdistrikten, besonders
Lancashires, wurden die herzzerreißendsten Torturen verübt an
diesen harmlosen und freundlosen Wesen, die den Fabrikherren über-
geben waren. Sie wurden zu Tode gehetzt durch ein Uebermaß an
Arbeit ... sie wurden gepeitscht, gekettet und gefoltert mit dem
ausgesuchtesten Raffinement von Grausamkeit; sie wurden in vielen
Fällen zu Skeletten ausgehungert, während die Peitsche sie an der
Arbeit hielt. ... Ja, in einigen Fällen wurden sie zum Selbstmord
getrieben! . . . Die schönen und romantischen Täler von Derbyshire,
Nottinghamshire und Lancashire, abgeschlossen vom öffentlichen
Auge, wurden grause Einöden von Tortur und — oft von Mord! ..-
Die Profite der Fabrikanten waren enorm. Das wetzte nur ihren
Werwolfsheißhunger. Sie begannen die Praxis der Nachtarbeit, das
heißt nachdem sie eine Gruppe Hände durch das Tagewerk erschöpft,
245 Eden: „The State of the Poor“, b, IL ch. 1, p. 421.