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Siebter Abschnitt.
Während sie die Kindersklaverei in England einführte, gab die
Baumwollindustrie zugleich den Anstoß zur Verwandlung der früher
mehr oder minder patriarchalischen Sklavenwirtschaft der Vereinig-
ten Staaten in ein kommerzielles Ausbeutungssystem. Ueberhaupt
bedurfte die verhüllte Sklaverei der Lohnarbeiter in Europa zur
Grundlage die unverhüllte Sklaverei in der neuen Welt.247
Tantae molis erat [solch gewaltige Mühen kostete es], die „ewigen
Naturgesetze‘“ der kapitalistischen Produktionsweise zu entbinden,
den Scheidungsprozeß zwischen Arbeitern und Arbeitsbedingungen
zu vollziehen, auf dem einen Pol die gesellschaftlichen Produktions-
und Lebensmittel in Kapital zu verwandeln, auf dem Gegenpol die
Volksmasse in Lohnarbeiter, in freie „arbeitende Arme“, dies Kunst-
produkt der modernen Geschichte.?*t® Wenn das Geld, nach Augier,
„Mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt“? so
das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, - blut- und schmutz-
triefend. 250
247 1790 kamen im englischen Westindien 10 Sklaven auf 1 Freien, im
französischen 14 auf 1, im holländischen 23 auf 1. (Henry Brougham: „An
Inquiry into the Colonial Policy of the European Powers. Edinburgh 1808“,
vol, II, p. 74.)
8 Der Ausdruck „labouring poor“ [arbeitende Arme] findet sich in
den englischen Gesetzen vom Augenblick, wo die Klasse der Lohnarbeiter
bemerkenswert wird. Die „labouring poor“ stehen im Gegensatz, einerseits
zu den „idle poor“ [müßigen Armen], Bettlern usw., anderseits zu den Ar-
beitern, die noch keine gerupften Hühner, sondern Eigentümer ihrer Arbeits-
mittel sind. Aus dem Gesetz ging der Ausdruck „Jabouring poor“ in die
politische Oekonomie über, von Culpeper, J. Child usw. bis A. Smith und
Eden. Danach beurteile man den guten Glauben des „execrable political cant-
monger“ [wiıderlichen politischen Phrasendreschers] Edmund Burke, wenn
er den Ausdruck „labouring poor“ für „execrable political cant“ [eine wider-
liche politische Phrase] erklärt. Dieser Preßlakai, der im Sold der eng-
lischen Oligarchie den Romantiker gegenüber der französischen Revolution
spielte, ganz wie er, im Sold der nordamerikanischen Kolonien beim Beginn
der amerikanischen Wirren, gegenüber der englischen Oligarchie den Libe-
ralen gespielt hatte, war durch und durch ordinärer Bourgeois: „Die Gesetze
des Handels sind die Gesetze der Natur und folglich die Gesetze Gottes.‘
(E. Burke: „Thoughts and Details on Scarcity. Ed, London 1800“, p. 31, 32.)
Kein Wunder, daß er, den Gesetzen Gottes und der Natur getreu, stets sich
selbst auf dem besten Markt verkauft hat! Man findet in des Reverend
Tucker Schriften — Tucker war Pfaffe und Tory, im übrigen aber anständiger
Mann und tüchtiger politischer Oekonom — sehr gute Charakteristik dieses
Edmund Burke während seiner liberalen Zeit. Bei der infamen Charakter-
losigkeit, die heutzutage herrscht und untertänigst an „die Gesetze des Han-
dels“ glaubt, ist es Pflicht, wieder und wieder die Burkes zu brandmarken,
die sich von ihren Nachfolgern nur durch eines unterscheiden — Talent!
249 Marie Augier: „Du Credit Public.“
250 „Kapital“, sagt der „Quarterly Reviewer“, „flieht Tumult und Streit und
ist ängstlicher Natur, Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahr-
heit. Das Kapital hat einen Abscheu vor Abwesenheit von Profit, oder sehr
kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit