Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

Erstes Kapitel. 
25 
zurückgehen, der die Wertform, wie so viele Denkformen, Gesell- 
Schaftsformen und Naturformen zuerst analysiert hat. Es ist dies 
Aristoteles. 
Zunächst spricht Aristoteles klar aus, daß die Geldform der 
Ware nur die weiter entwickelte Gestalt der einfachen Wertform 
ist, das heißt des Ausdrucks des Wertes einer Ware in irgendeiner 
beliebigen andern Ware, denn er sagt: ; 
„5 Polster == 1 Haus“ („Klivaı r£&vte dvti olkiag“) 
„unterscheidet sich nicht“ von: 
„ö Polster == soundso viel Geld“ 
(„Kilvor n£&vre AÄvtl . . , 5000 wi mevte KAlyoL“). 
Er sieht ferner ein, daß das Wertverhältnis, worin dieser Wert- 
äusdruck steckt, seinerseits bedingt, daß das Haus dem Polster quali- 
lativ gleichgesetzt wird, und daß diese sinnlich verschiedenen Dinge 
Ohne solche Wesensgleichheit nicht als kommensurable Größen auf- 
einander beziehbar wären. „Der Austausch“, sagt er, „kann nicht 
Sein ohne die Gleichheit, die Gleichheit aber nicht ohne die Kommen- 
Surabilität“ („od lc6tn6 4 obong cupperplag“). Hier aber stutzt er und 
gibt die weitere Analyse der Wertform auf. „Es ist aber in Wahrheit 
Unmöglich („t% u&v 05v Aindelg Adüvarov“), daß so verschiedenartige 
Dinge kommensurabel‘“, das heißt qualitativ gleich seien. Diese 
Gleichsetzung kann nur etwas der wahren Natur der Dinge Fremdes 
sein, also nur „Notbehelf für das praktische Bedürfnis“.21® 
Aristoteles sagt uns also selbst, woran seine weitere Analyse 
scheitert, nämlich am Mangel des Wertbegriffs. Was ist das Gleiche, 
das heißt die gemeinschaftliche Substanz, die das Haus für den 
Polster im Wertausdruck des Polsters vorstellt? So etwas kann „In 
Wahrheit nicht existieren“, sagt Aristoteles. Warum? Das Haus 
Stellt dem Polster gegenüber ein Gleiches vor, soweit es das in 
beiden, dem Polster und dem Haus, wirklich Gleiche vorstellt. Und 
das ist — menschliche Arbeit. 
Daß aber in der Form der Warenwerte alle Arbeiten als gleiche 
Menschliche Arbeit und daher als gleichgeltend ausgedrückt sind, 
konnte Aristoteles nicht aus der Wertform selbst herauslesen, weil 
die griechische Gesellschaft auf der Sklavenarbeit beruhte, daher 
die Ungleichheit der Menschen und ihrer Arbeitskräfte zur Natur- 
basis hatte. Das Geheimnis des Wertausdrucks, die Gleichheit und 
gleiche Gültigkeit aller Arbeiten, weil und insofern sie menschliche 
Arbeit überhaupt sind, kann nur entziffert werden, sobald der Be- 
8riff der menschlichen Gleichheit bereits die Festigkeit eines Volks- 
vorurteils besitzt. Das ist aber erst möglich in einer Gesellschaft, 
Worin die Warenform die allgemeine Form des Arbeitsprodukts, also 
Auch das Verhältnis der Menschen zueinander als Warenbesitzer das 
ferrschende gesellschaftliche Verhältnis ist. Das Genie des Aristo- 
eles glänzt gerade darin, daß er im Wertausdruck der Waren ein 
*4 Aristoteles: Ethicorum ad Nicomachum libri decem, lib. V, ce. 8. K
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.