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gespinst, Maschinen verwandeln es schließlich in Garn. Diese letzten
sind die eigentlichen Spinnmaschinen. Die niedrigste Stufe stellen die
sogenannten „Mulemaschinen“ dar, eine höhere die „Watermaschinen“,
die höchste Form der Spinnmaschine ist der Selfaktor oder Selbst
spinner. Das Spinnrad bewegte nur eine einzige Spindel, die heutigen
Spinnmaschinen vereinigen je weit über tausend Spindeln, bedürfen
aber gleichwohl zu ihrer Bedienung nur weniger geschulter Personen.
Das fertige Garn besitzt verschiedene Feinheitsgrade, die durch
Nummern ausgedrückt werden. Im allgemeinen, auch bei uns, ist
hierbei das englische System maßgebend '). Die englische Garn
nummer gibt an, wieviel „Hanks“ oder „Strähne“ (= 840 Yard =
768,082 m) auf ein Pfund englisch (= 0,4536 kg) gehen. Je höher
die Nummer, desto zarter, desto feiner ist daher das Garn. Nun
kann man aber nicht aus jeder beliebigen Baumwollsorte jede be
liebige Nummer spinnen, vielmehr eignen sich für die feinsten Num
mern, etwa über Nr. 100 hinaus, nur die amerikanische, ägyptische
und peruanische Sea-Island-Baumwolle. Die ausgedehnteste Verwen
dung findet die amerikanische Upland-Baumwolle, nämlich etwa für
die Nummern 35 bis 60. Zu gröberen Nummern genügt die schlech
teste Baumwolle, die ostindische * 2 ). Auch die Maschinen sind nicht
gleichermaßen fähig, verschiedene Baumwollsorten zu verspinnen, zu
den geringsten Nummern werden, wie schon angedeutet, die Mule
maschinen gebraucht.
Das Produkt der Spinnerei ist zum größten Teil gewöhnliches
Garn, zu einem kleinen Teil Fertigfabrikat, also Nähgarn und -zwirn,
das seinerseits auch aus gewöhnlichem Garn hergestellt wird. Das
Halbfabrikat wandert in die Weberei. Die Herstellung von Geweben
erfolgt auf dem Webstuhl. (Hier kommen neben dem Handwebstuhl
namentlich die Schaft- und die Jacquardmaschine in Betracht, neuer
dings auch der Northropwebstuhl.) Der Teil der Fäden, die die
Länge des Gewebes bilden sollen, läuft in grader und paralleler Rich
tung, man nennt sie Kette oder Zettel; ein anderer Teil von Fäden
kreuzt sie unter einem bestimmten Winkel oder wellenförmig und
heißt Schuß oder Einschlag. Es können nun mehrere Lagen über
und durcheinander gewebt und Zeichnungen und Muster darein ge
il Der Versuch, eine einheitliche Garnnummerierung nach metrischem System durch
zuführen, der schon sehr oft gemacht wurde, ist bisher stets an dem Widerstande Englands
gescheitert, auch gelegentlich des II. internationalen Baumwollkongresses, der Anfang Juli 1905
in Manchester stattfand. Im Gegensatz dazu haben sich die internationalen Textilarbeiter
kongresse zu Mailand und Lüttich für die metrische Garnnummerierung ausgesprochen.
2) A. Oppel, a. a. 0. S. 252 f.