Erstes Kapitel.
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Schaft. Jene alten gesellschaftlichen Produktionsorganismen sind
außerordentlich viel einfacher und durchsichtiger als der bürger-
liche, aber sie beruhen entweder auf der Unreife des individuellen
Menschen, der sich von der Nabelschnur des natürlichen Gattungs-
Ausammenhanges mit andern noch nicht losgerissen hat, oder auf un-
Mittelbaren Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnissen. Sie sind
bedingt durch eine niedrige Entwicklungsstufe der Produktivkräfte
der Arbeit und entsprechend befangene Verhältnisse der Menschen
innerhalb ihres materiellen Lebenserzeugungsprozesses, daher zu-
$nander und zur Natur. Diese wirkliche Befangenheit spiegelt sich
ideell wider in den alten Natur- und Volksreligionen. Der religiöse
Widerschein der wirklichen Welt kann überhaupt nur verschwinden,
Sobald die Verhältnisse des praktischen Werkeltagslebens den
Menschen tagtäglich durchsichtig vernünftige Beziehungen zuein-
ander und zur Natur darstellen. Die Gestalt des gesellschaftlichen
Lebensprozesses, das heißt des materiellen Produktionsprozesses,
streift nur ihren mystischen Nebelschleier ab, sobald sie als Pro-
dukt frei vergesellschafteter Menschen unter deren bewußter plan-
mäßiger Kontrolle steht. Dazu ist jedoch eine materielle Grundlage
ler Gesellschaft erheischt oder eine Reihe materieller Existenz-
bedingungen, welche selbst wieder das naturwüchsige Produkt einer
langen und qualvollen Entwicklungsgeschichte sind.
Die politische Oekonomie hat num zwar, wenn auch unvoll-
kommen !!, Wert und Wertogröße analvsiert und den in diesen For-
EEE
3 Wie schon S.17 bemerkt, sagt Benj. Franklin: „Da der Handel über-
üaupt nichts ist als der Austausch einer Arbeit gegen andere Arbeit, wird
der Wert aller Dinge am richtigsten in Arbeit geschätzt.“ („The Works of
Benj. Franklin, etc, ed. by Sparks. Boston 1886“, vol. II, p. 267.)
Franklin findet es ebenso natürlich, daß die Dinge Wert, wie daß die Körper
Schwere besitzen. Von seinem Standpunkt handelt es sich einfach darum,
herauszufinden, wie dieser Wert so genau wie möglich gemessen werden
%ann, Er bemerkt nicht einmal, daß er bei der Behauptung, man schätze
len Wert aller Dinge am richtigsten in Arbeit, von dem Unterschied der
Ausgetauschten Arbeiten abstrahiert und sie auf gleiche menschliche Arbeit
'eduziert. Sonst hätte er sagen müssen: Da der Austausch von Schuhen und
Stiefeln gegen Tische nichts anderes ist als ein Austausch von Schuhmacher-
arbeit gegen Tischlerarbeit, mißt man durch die Tischlerarbeit am ge-
ü4auesten den Wert der Stiefel! Indem er das Wort „Arbeit“ im allgemeinen
Zebraucht, abstrahiert er von dem Nützlichkeitscharakter und von der kon-
kreten Form der verschiedenen Arbeiten.
ä Das Unzulängliche in Ricardos Analyse der Wertgröße — und es ist
16 beste — wird man aus dem dritten und vierten Buch dieser Schrift
Eschen, Was aber den Wert überhaupt betrifft, so unterscheidet die
Kässische politische Oekonomie nirgendwo ausdrücklich und mit klarem
wußtsein die Arbeit, wie sie sich im Wert, von derselben Arbeit,
Soweit sie sich im Gebrauchswert ihres Produkts darstellt. Sie macht
atürlich den Unterschied tatsächlich, da sie die Arbeit das eine Mal
Quantitativ, das andere Mal qualitativ betrachtet. Aber es fällt ihr nicht
Sin, daß bloß quantitativer Unterschied der Arbeiten ihre qualitative Ein-