Full text : Wirtschaftliche und politische Betrachtungen zur Alten und Neuen Welt

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Amerika bedeutet ihnen stattgefundene oder in baldiger Aussicht
stehende Klassenerhöhung, Aufstieg auf der sozialen Skala, ist ihnen
also synonym mit Wohlstand und unübersehbaren Möglichkeiten.
Diese inneren Tendenzen werden durch die äußere Funktion der
Schule mit ihrer Uniformierung durch die englische Sprache und
ihrer Glorifizierung der Freiheiten und Reichtümer Amerikas
kraftvoll unterstützt. Ich sah vor kurzem in Chikago, auf einem
nahe der Stock Yards, der riesenhaften Schlachthäuser dieser Stadt,
gelegenen Platz an die 400 Kinder zwischen vier und zwölf Jahren
versammelt. Sie gehörten allen erdenklichen Stämmen an: Italienern,
 Polen, russischen und rumänischen Juden, Deutschen,
Tschechoslowaken, Jugoslawen, Norwegern, mexikanischen Indianern.
 Nur Angelsachsen waren unter ihnen nicht vertreten. Aber
die Sprache, ın welcher sich diese bunte Menagerie untereinander
 unterhielt, war das Ausdrucksmittel ihres künftigen Amerikanertums:
 Englisch. Und als die Kinderschar automatisch zum
Danke für eine ihnen gebotene Lichtspielvorführung gar ein Lied
anstimmte, da erklang aus den jugendlichen Kehlen der schöne,
melancholische Plantationsone:

Way down upon the Swanee ribber,
Far, far away,
There’s wha my heart is turning ebber,
There’s wha the old folks stay.
Al the world am sad and dreary,
Ebbry where I roam,
Oh! darkeys, how my heart grows weary,
Far from the old folks at home.

Die Sehnsucht dieser Knaben und Mädchen wurde also von den
Tiroler Bergen, dem Griechentheater von Syrakus, den oberitalienischen
 Seen und den Zinnen Krakaus abgelenkt; Europas Jugend
vereinigte seine unsicher gewordenen Vaterlandsgefühle vertrauensvoll
 am Swan-River bei den amerikanischen Negern. Das Herz
krampfte sich dem Europäer bei solchem Schauspiel zusammen,
Aber für den Soziologen und Historiker gab es kaum eine Viertelstunde
 besseren Anschauungsunterrichtes. Indes, unter altamerikanischen
 Gesichtspunkten gesehen, hat das Eindringen der Fremden
doch noch ein anderes Gesicht. In den Großstädten stauen sich die
in den letzten dreißig Jahren Angekommenen bis zur Groteske, Es
ist bekannt, daß z. B. Neuyork mehr Juden aufweist als Palästina,
mehr Sizilianer als Palermo, mehr Polen als Warschau und mehr
Iren als Dublin. Es entsteht so ein fast rassenmäßiger Gegensatz
zwischen der fremd gewordenen Stadt und dem angelsächsisch gebliebenen
 Land, zwischen West und Ost. Heftige Reaktionsbewegungen
 treten auf, wie die des hundertprozentigen Ameri-
            
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