2
kanertums und die aus dem Ende der Sezessionskriege stammende,
nach dem Weltkriege wieder auferstandene Ku Klux Klan, und
yewinnen in wichtigen Fragen den Staat und das Gesetz für sich 8):
Aus diesem Geiste des Widerspruchs gegen die Überfremdung ist
die Prohibition des Alkoholkonsums sowie die Percentagebill, die
zahlenmäßige einschneidende Beschränkung der Einwanderung,
entstanden. Aber diese Reaktionen, so groß ihre Wirkung auf
vielen Gebieten auch sein mag, an einem vermögen sie nichts, oder
nichts Wesentliches zu ändern: ein neues Amerikanertum ist auf
den Plan getreten, sprachlich assimiliert und stolz auf sein gewonnenes
Staatsbürgertum, auch. selbstverständlich frei von irredentistischen
Gedankengängen, aber von Amerika aus gesehen doch
traditionslos und von einem neuen Geiste beseelt. Dieser neue
Geist entbehrt jeder Einheitlichkeit. Er ist in weitem Umfange
katholisch oder doch katholisierend, er ist in ebenso weitem Umfange
jüdisch, er ist deutsch und skandinavisch, italienisch und
slawisch, kanadisch-französisch und mexikanisch-spanisch. Aber wie
stark die Heterogeneität der Molekülen dieses gewaltigen Fremdkörpers
auch sein mag, zwei Wesenheiten, die sie vom angelsächsischen
Amerikanertum trennen, scheinen sie alle gemeinsam zu
haben: Den projezierenden Begriff, den sie von Amerika hegen,
und die Verständnislosigkeit, mit welcher sie dem Puritanismus
gegenüberstehen. Ihnen liegt Amerika nicht hinten, in den Werten
vergangener Geschichte, sondern vorn, in Gegenwart und Zukunft®).
Im Gegensatz zum Yankee erblicken sie Amerika sozusagen
nicht passatistisch, sondern futuristisch. Für sie ist der
Amerikaner nıcht geboren, sondern wird eben erst geboren 1°). So
beginnen in Amerika zwei Welten miteinander in Kampf zu geraten.
Die junge und bedeutende amerikanische Romanliteratur
weist deutliche Züge dieses Konfliktes auf. Von den besten ihrer
Autoren sind viele jüdischer, deutscher, italienischer, schwedischer
Herkunft. Mit Beihilfe anderer Erscheinungen, die aber auch
irgendwie zerstörend auf die alte amerikanische Lebensauffassung
wirken und von denen wir hier nur die Phänomene des Weltkrieges,
die ungeheure Automobilverbreitung, die Anziehungskraft der
jüdischen Movies 11) und des Neger-Jazzband !!”) nennen, gewinnen
die neuen Anschauungen auch auf viele altamerikanische Kreise
Einfluß. Die Kriegserklärung, welche in der heutigen amerikanischen
Literatur gegen die puritanische Sittenlehre Altenglands
ausgesprochen liegt, hat zwei verschiedene Texte. Der eine besteht
in dem unverhohlenen Hymnus auf die nun nicht mehr verhüllte
und nicht mehr entschuldigte, sondern nackt gesehene und als
großes und schönes Naturereignis gepriesene Raubtiergestalt des
Menschen und folglich auch auf den herrlichen Individualismus
des gewalttätigen und selbstzweckdienlichen Millionärs1?), Die
zweite Kriegserklärung geht vom Individualrecht aus, dem Men-