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lich. Gelingt es einem Neger in einer weißen Straße ein Haus
zu kaufen, so gibt es in der Regel für die dortige ansässige weiße
Bevölkerung nur zwei Möglichkeiten: Sofortiger, panikartiger Auszug
und Verkauf!7), was zu den schönsten Spekulationen Veranlassung
gibt, oder aber Übergang zu den Methoden eines gehässigen
und heimtückischen Bürgerkrieges. In Chikago sind nach
dem Weltkrieg 1919/20 noch jahrelang Neger, die sich in weißen
Vierteln angesiedelt hatten, mit Bomben „belegt“ worden 18).
Komplizierter liegen die Verhältnisse im vierten Punkt, dem der
Zulassung der Neger zur Arbeitsgemeinschaft, Hier ist die Distanznahme
schon wegen des Massencharakters der modernen Arbeitsmethoden
keine so ausgesprochene. Man sieht z. B. im Maurergewerbe
und auf den Schlachthöfen Weiße und Neger unterschiedlos
miteinander arbeiten. Indes macht sich auch in der Arbeit
überall da die Tendenz der Differenzierung zwischen Schwarzen
und Weißen geltend, wo es sich nicht um fremde oder eben erst
singebürgerte, sondern um angelsächsische, oder schon assimilierte
weiße Arbeiter handelt. In den amerikanischen Gewerkschaften ist
die Zulassung von Negern keineswegs ausgemachte Sache. Viele
verweigern ihnen den Beitritt 1?). In Chikago freilich schließen von
116 Arbeiterorganisationen nur ı2, aber gerade die wichtigsten,
die Neger vollkommen aus 20), Selbst der Klassenkampf vermag die
beiden Rassen innerhalb der gleichen Berufsklasse nicht dauernd zu
solidarisieren. Nach Beendung eventuell gemeinsamer Streiks beziehen
die weißen Arbeiter sofort wieder ihre Monopolstellung.
Jeder Gedanke einer sozialen Emanzipation der Neger bleibt somit
Tabou. Die besten amerikanischen Weißen stellen sich das Zusammenleben
der beiden Rassen im Staate als biracialism, in
der Form zweier voneinander völlig getrennter Pyramiden vor, von
denen jede ihre eigene Berufs-, Vermögens- und Bildungsstruktur
hat, die aber niemals ineinander übergehen dürfen ?!1). Der Neger
kann zwar Doktor, Rechtsanwalt und Professor werden, ist aber
auch dann niemals Mister?2?). ‘Cultural equality might signify
a fair reception and cordial appreciation by the white public of
the works and performances of Negro talent, but with no logical
implication of a marriage license, a dancing partner, or a family
invitation to Sunday dinner’’2?3), Die Negermassen, etwa ı2 Millionen,
sind nicht kompakt. Es ist in ihnen viel Gleichgültigkeit,
viel grobe und viel natürliche Lebensgier, viel alles absorbierender
protestantischer Pietismus zu Hause. Aber in den oberen Schichten
gärt es. Ein gewaltiger Drang nach authentischer Emanzipation,
nach Gleichstellung in Sitte und Brauch bewegt sie. “I, too,
am America!” 24) ruft einer der sehr zahlreichen Negerdichter von
Begabung dem weißen Amerika zu, Und viele erinnern sich ihrer
afrıkanischen Herkunft mit Stolz, als eines Landes alter Kultur,
und manche wieder drohen, falls ihnen Amerika nicht Spiel-