Full text: Mexico

Landwirtschaft. 
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Gebieten hoher Taglohn und ungenügende Zahl oder Arbeits- 
wille der Arbeitskräfte, sei es, daß die Bevölkerung zu dünn 
ist oder daß die Anwohner zu intensiverer landwirtschaftlicher 
Tätigkeit sich nicht heranziehen lassen wollen. Aus diesem 
Grund sind sehr weite Flächen, die sich für bestimmte Kulturen 
vorzüglich eignen würden, ganz unbebaut oder nur ungenügend 
landwirtschaftlich ausgenutzt, etwa als Weideflächen für Vieh 
oder Schafe, während doch wesentlich lohnendere Benutzung 
möglich wäre. Da die Regierung in Anerkennung der Gleich- 
berechtigung der Indianer diese nicht zur Arbeit nötigt (wie das 
z. B. in Guatemala früher zugunsten der Landwirtschaft ge- 
schah), so ist in den Gebieten, wo Indianer in ziemlich großer 
Zahl leben, aber nicht zur Arbeit geneigt sind, eine Verbesserung 
der Verhältnisse erst von der Zukunft zu erhoffen, wenn die 
wachsenden. Bedürfnisse der Indianer sie selbst zur Arbeit 
treiben werden‘). In vielen Gegenden kamen in Porfirios 
Zeiten die Indianer schon von selbst, durch Vorschüsse be- 
wogen oder von Werbern angetrieben, aus ihren oft entfernten 
Wohnorten in die Pflanzungen zur Arbeit in der Erntezeit herbei. 
Aber nach der Revolution erklärte die Regierung 1914 solche 
Vorschüsse für ungesetzlich, so daß die Pflanzer sie streichen 
mußten. Das ganze System wurde abgeschafft, ist aber auf 
Wunsch der Indianer stellenweise im geheimen wieder in Gang 
gekommen. In Gebieten, wo die Bevölkerung zu dünn ist, um für 
eine intensivere Bearbeitung des Bodens die nötigen Arbeits- 
kräfte liefern zu können, kann durch Kolonisation der Mangel 
ersetzt werden, und in der Tat begünstigt die Regierung die 
Kolonisation solcher Gebiete seit 1883, wenngleich nicht mit der 
wünschenswerten. Energie. Immerhin sind durch die Regierung 
und durch Privatgesellschaften bereits eine Reihe von Ackerbau- 
‘) Die wenigen Gebiete, wo bis vor kurzem widerspenstige Indianer 
die Arbeit der Mexicaner überhaupt verhinderten, sind unter der Re- 
gierung Porfirio Diaz’ mit Waffengewalt befriedet und erschlossen 
worden (Mayas im südöstlichen Yucatän, Quintana Roo und Yaquis in 
Sonora 1902, Apachen nahe der Nordgrenze 1890). Aber neuerdings wird 
aufs neue mit den Yaquis gekämpft, während auch die Mayas von Quin- 
tana Roo wieder ein höheres Maß von Freiheit erlanet haben.
	        
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