Full text: Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

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II. Abschnitt. 
Terrassenkulturen an den steilen Gehängen vieler Mittelmeergebirge, 
sondern auch die besonderen Lagen einzelner Rebgelände in unseren 
deutschen Weingegenden. Bei der Abschätzung des Kulturwertes 
von irgendwelchem Neulande, z. B. in den Kolonien europäischer 
Völker, ist dieser Punkt, die Geländewirkung auf die Produktions 
möglichkeit, immerhin in weiterem Umfange zu beachten, als dies 
bisher meist geschehen ist. 
Das Wasser spielt in seinen hydrographischen, von unserer 
Wissenschaft behandelten Eigenschaften ebenfalls in der Güter 
erzeugung eine viel geringere Rolle als im Verkehr. Die Gewinnung 
reiner Handelsgüter, die innerhalb der ungeheuren Wasserflächen 
unserer Erde, zudem nur in den Binnengewässern und in der Nähe 
der Küsten besondere Bedeutung besitzt, tritt, so bedeutend sie im 
einzelnen Falle auch sein mag, gegenüber der Gütererzeugung auf 
dem festen Lande ganz zurück. Wenn man bedenkt, daß selbst die 
deutsche Seefischerei im Jahre 1912 nur (in angenäherten Zahlen) 
5 Proz. des Gewichtes des in Deutschland verbrauchten Fleisches 
lieferte, so wird man sich über die geringere Bedeutung des Wassers in 
der unmittelbaren Hervorbringung von Handelsgütern in den meisten 
Erdgegenden klar. Einen erheblichen Anteil an der Gütergewinnung 
hat das Wasser nur da, wo aus klimatischen Gründen die landwirt 
schaftliche Gütergewinnung zurücktritt, also in erster Linie in den 
Ländern des hohen Nordens und in den Seen besonders gebirgiger 
Gebiete. 
Dagegen ist das Wasser in neuerer Zeit infolge der Entwicklung 
der Technik in anderer Weise zu einem wichtigste Werte erzeugenden 
Element geworden. Als Kraftspender ist es da, wo wir mit einem 
stärkeren Gefälle dauernd fließender Bäche und Flüsse zu rechnen 
haben, in der Tat ein „Gütererzeuger“ allerersten Ranges geworden. 
Hier ist ein Umschwung erfolgt, den die frühere Zeit nicht einmal 
ahnen konnte, und eine wirtschaftsgeographische Untersuchung, die 
die in einer Landwirtschaft aufgespeicherten Wasserkräfte nicht be 
rücksichtigt, bleibt unvollständig. 
Beispiel: Eine amtliche Berechnung gibt an, daß allein in den zur Donau 
gehörenden Gewässern innerhalb Bayerns während 9 Monaten des Jahres eine rohe 
Wasserkraft von 1900000 Pferdekräften vorhanden ist, von denen 700000 aus 
genützt werden können. Was Wasserkräfte für das Wirtschaftsleben bedeuten, er 
gibt sich wohl am besten daraus, daß diese gewaltige Kraft mittels Kohlen 
bei 12-ständiger Arbeitszeit der Maschinen auf 9 Monate zu erzeugen, ein Ver 
brauch von mindestens anderthalb Millionen Tonnen des Brennmaterials gehören 
würde, also etwa ein Zehntel dessen, was Oesterreich-Ungarn gegenwärtig an Stein 
kohlen hervorbringt. Wie wichtig für die Beurteilung der verschiedenen Erdgebiete 
diese aus dem flüssigen Element stammende, so eng mit Bau und Natur eines Landes 
verbundene Kraft ist, ergibt sich daraus, daß man die allein den Viktoriafällen des 
Sambesi zu entnehmende Kraftmenge auf eine halbe Million P.-Stärken eingeschätzt 
hat. Jedenfalls ist hier eine Gütererzeugung allerersten Ranges möglich, die die in 
der Fischerei ruhenden, an sich höchst schätzbaren Werte noch ganz beträchtlich 
übertrifft (vgl. auch Beispiel auf S. 4). 
Die Behandlung der vom Wasser aus erfolgenden Gütererzeugung 
sollte im übrigen nach geographischen Gesichtspunkten erfolgen. Daß 
das auch bei der Fangstatistik der Meere von höchster Bedeutung 
ist, ja, daß wir die wirtschaftliche Bedeutung namentlich der Rand 
un d Binnenmeere erst auf diesem Wege richtig beurteilen lernen, er 
gibt sich aus den gewaltigen Unterschieden, die zwischen ihrer Er 
giebigkeit bestehen. Diese Verschiedenheit ist ebenfalls geographisch
	        
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