14
II. Abschnitt.
Terrassenkulturen an den steilen Gehängen vieler Mittelmeergebirge,
sondern auch die besonderen Lagen einzelner Rebgelände in unseren
deutschen Weingegenden. Bei der Abschätzung des Kulturwertes
von irgendwelchem Neulande, z. B. in den Kolonien europäischer
Völker, ist dieser Punkt, die Geländewirkung auf die Produktions
möglichkeit, immerhin in weiterem Umfange zu beachten, als dies
bisher meist geschehen ist.
Das Wasser spielt in seinen hydrographischen, von unserer
Wissenschaft behandelten Eigenschaften ebenfalls in der Güter
erzeugung eine viel geringere Rolle als im Verkehr. Die Gewinnung
reiner Handelsgüter, die innerhalb der ungeheuren Wasserflächen
unserer Erde, zudem nur in den Binnengewässern und in der Nähe
der Küsten besondere Bedeutung besitzt, tritt, so bedeutend sie im
einzelnen Falle auch sein mag, gegenüber der Gütererzeugung auf
dem festen Lande ganz zurück. Wenn man bedenkt, daß selbst die
deutsche Seefischerei im Jahre 1912 nur (in angenäherten Zahlen)
5 Proz. des Gewichtes des in Deutschland verbrauchten Fleisches
lieferte, so wird man sich über die geringere Bedeutung des Wassers in
der unmittelbaren Hervorbringung von Handelsgütern in den meisten
Erdgegenden klar. Einen erheblichen Anteil an der Gütergewinnung
hat das Wasser nur da, wo aus klimatischen Gründen die landwirt
schaftliche Gütergewinnung zurücktritt, also in erster Linie in den
Ländern des hohen Nordens und in den Seen besonders gebirgiger
Gebiete.
Dagegen ist das Wasser in neuerer Zeit infolge der Entwicklung
der Technik in anderer Weise zu einem wichtigste Werte erzeugenden
Element geworden. Als Kraftspender ist es da, wo wir mit einem
stärkeren Gefälle dauernd fließender Bäche und Flüsse zu rechnen
haben, in der Tat ein „Gütererzeuger“ allerersten Ranges geworden.
Hier ist ein Umschwung erfolgt, den die frühere Zeit nicht einmal
ahnen konnte, und eine wirtschaftsgeographische Untersuchung, die
die in einer Landwirtschaft aufgespeicherten Wasserkräfte nicht be
rücksichtigt, bleibt unvollständig.
Beispiel: Eine amtliche Berechnung gibt an, daß allein in den zur Donau
gehörenden Gewässern innerhalb Bayerns während 9 Monaten des Jahres eine rohe
Wasserkraft von 1900000 Pferdekräften vorhanden ist, von denen 700000 aus
genützt werden können. Was Wasserkräfte für das Wirtschaftsleben bedeuten, er
gibt sich wohl am besten daraus, daß diese gewaltige Kraft mittels Kohlen
bei 12-ständiger Arbeitszeit der Maschinen auf 9 Monate zu erzeugen, ein Ver
brauch von mindestens anderthalb Millionen Tonnen des Brennmaterials gehören
würde, also etwa ein Zehntel dessen, was Oesterreich-Ungarn gegenwärtig an Stein
kohlen hervorbringt. Wie wichtig für die Beurteilung der verschiedenen Erdgebiete
diese aus dem flüssigen Element stammende, so eng mit Bau und Natur eines Landes
verbundene Kraft ist, ergibt sich daraus, daß man die allein den Viktoriafällen des
Sambesi zu entnehmende Kraftmenge auf eine halbe Million P.-Stärken eingeschätzt
hat. Jedenfalls ist hier eine Gütererzeugung allerersten Ranges möglich, die die in
der Fischerei ruhenden, an sich höchst schätzbaren Werte noch ganz beträchtlich
übertrifft (vgl. auch Beispiel auf S. 4).
Die Behandlung der vom Wasser aus erfolgenden Gütererzeugung
sollte im übrigen nach geographischen Gesichtspunkten erfolgen. Daß
das auch bei der Fangstatistik der Meere von höchster Bedeutung
ist, ja, daß wir die wirtschaftliche Bedeutung namentlich der Rand
un d Binnenmeere erst auf diesem Wege richtig beurteilen lernen, er
gibt sich aus den gewaltigen Unterschieden, die zwischen ihrer Er
giebigkeit bestehen. Diese Verschiedenheit ist ebenfalls geographisch